Im Piemont von Forno nach Rimella – mit dem Bus von Omegna nach Forno

Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 6.01, 31.07.26

14,0 km, 1.037 hm rauf, 763 hm runter, 4:33 / 5:30 h

Heute morgen beim Abschied aus dem Hotel gab es eine Überraschung. An der Rezeption wurde mir eine Tasche mit Frühstück überreicht. Wasser, Jogurt, Croissant, Kekse, Zwieback, Schmierkäse, Marmelade, Honig, ein hartes Ei, eine Nektarine, ein Apfel und eine Dose Eistee. Ich war überrascht! Vielen Dank!

Ich musste früh raus, um sieben fährt der Bus. Als ich um die Ecke war, hörte ich meinen Namen, der Rezeptionist kam mir hinterher und brachte mir meinen Personalausweis, der lag noch in der Rezeption. Wie gut, dass er daran gedacht hat. Das wäre schwierig geworden ohne Personalausweis!

Der Bus kam um kurz vor sieben. Der Fahrer fragte, ob ich ein Ticket hätte. Natürlich nicht. Gibt es in der Bar. Da haben wir dann noch einen Kaffee getrunken und er hat das Ticket gleich entwertet. Dann ging es hoch nach Forno, ich war der einzige Fahrgast.

In Forno bin ich dann erstmal mit der Tasche Frühstück in der linken Hand losgegangen.

In Piana di Forno, an der Chiesa Santa Maria Magdalena habe ich dann gefrühstückt und versucht so viel als möglich aufzuessen, den Schmierkäse mit dem Zwieback, das harte Ei, den Eistee. Und allen Müll ordentlich eingepackt und die Hosentasche, in der Hoffnung einen Mülleimer zu finden.

Im nächsten Weiler höre ich ein rhythmisches Hacken, ich gehe um ein paar Häuser und sehe eine alte Frau etwas Grünes hacken. Ich spreche sie an, sie hört mich erstmal nicht, als ich neben ihr stehe blickt sie auf. Sie hackt Brennesseln – für Pesto? Nein, sie macht daraus eine Füllung für Tortellini! Das wird lecker. Einige Häuser stehen leer, viele werden als Ferienhäuser renoviert. Sie gehört zu den Alten, die hier immer schon gewohnt haben – sich gesund ernährt und hier hoffentlich noch lange bleiben kann.

Ich bin dankbar, dass sie  mir meinen Müll abnimmt. Sie sagt, die Eierschalen sind kein Müll, sie sind wichtig für die Hühner. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich die Plastikflasche und die Dose zerdrückt habe – sicherlich kann man auch damit noch etwas sinnvolles anstellen.

Vor Campello Monti habe ich den Abstieg auf den richtigen Weg am Fluss verpasst und bin auf der Straße geblieben und habe so den Cimiterio di Campello Monti gefunden, der später noch eine Rolle spielen wird. An den Berg gequetscht. Man hätte auch Weidefläche für den Friedhof opfern können – wirklich? Die Weide ist für das Leben und Überleben wichtig. Wer tot ist braucht keine Weide mehr.

Und ich bin an dem Rest der Nickelmine von Campello vorbeigekommen. Eine Tafel erklärt auch auf Englisch – von der EU mit gefördert – das seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis 1948 hier und in einem Seitental auf 1.600 m Höhe Nickel abgebaut wurde. Nur 1-2 % Nickel hat das Gestein enthalten. Vor Ort wurde es dann noch auf 7-9 % angereichert. Die Infotafel schließt mit der Warnung, dass dadurch Schwermetalle in den Boden und ins Grundwasser gelangt sind.

Beim Frühstücken hatte ich schon eine Wanderin getroffen, die auch in Forno gestartet war, jetzt in Campello treffe ich noch auf weitere Wanderer, Italiener und Deutsche – ich bin auf dem berühmten GTA unterwegs.

Es sind 1.000 hm bis zur Bochette di Campello auf 1.924 m. Ich mache kurz Pause. Es ist mir schon nicht ganz leicht gefallen da hoch zu kommen, es ist heiß – und vielleicht haben mich die zwei Ruhetage auch faul gemacht?

Beim Abstieg – renne ich unter einem Dach durch, das den Weg überwölb, es ruht auf zwei Säulen. Meine Neugier ist nicht groß genug, um anzuhalten. In Rimella höre ich, dass ich dort die Posa dei Morti passiert habe. Hinter dem Eingang unter dem Dach wurden im Winter die Toten aus Rimella gelagert. Erst im Frühjahr konnten sie über die Bochette zum Friedhof von Campello gebracht werden. Wir versuchen immer mit viel Feingefühl und Sensibilität mit Toten und ihren Angehörigen umzugehen – hier bestimmt das Winterwetter den Prozess der Trauer.

Die letzte Dreiviertelstunde wiederholt sich, was schon so oft diese Wanderung prägte: Ein Wettrennen gegen das Gewitter über dem Tal. Es donnert, es blitzt, die ersten großen Tropfen, ich packe schnell Kamera und Handy wasserfest ein und eile. Auf die Minute als der Hagelsturm losbricht springe ich in die Albergo Fontana – ins Trockene.

Diese Albergo ist berühmt für ihr Essen, es soll maßlose vierzehn Gänge geben und man soll sich nicht schon bei den Antipasti vollessen – hat mir an der Bochette ein Wanderer, der hier öfter schon war, geraten. Ich hoffe es gelingt mir. Das ist erstmal das geschmackvolle Zimmer.

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