Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 6.04, 03.08.26
10,9 km, 926 hm rauf, 1.116 hm runter, 4:22 / 5:03
Das Wetter ist noch immer instabil. Ab und zu reißt der Himmel auf, dann regnet und gewittert es. Deshalb gibt es auch so wenig Fotos. Gestern in Rima hat es geregnet, wie da Bilder von diesem Bilderbuch Walser-Dorf machen?
In Rima kamen auch zwei Israelis an, sie gehen einige Abschnitte des GTA in Gegenrichtung. Beide arbeiten und leben in einem Kibbuz in Galliläa. Sie erzählten, dass es gerade nicht einfach sei, als Israeli durch Europa zu reisen. Und dabei – dass hatten wir ja schon in den Dolomiten erlebt – sind Kibuzzniks nun überhaupt keine Freunde Netanjahus. Die beiden Frauen haben aber auch erzählt, dass sie als der Regen und das Gewitter kam, sehr liebevoll von einer Familie aufgenommen wurden – ich hatte mich schon gewundert, dass sie vollständig trocken in Rima ankamen.
Wir hatten gestern Abend schon das Frühstück bekommen, die beiden Israelis sind um halb sieben auf dem Weg. Als ich um sieben Uhr aufbrechen will, ist das erste Gewitter mit Regen über dem Dorf – ich mache mir noch einen Tee. Um viertel vor Acht bin ich dann auf dem Weg, bergauf natürlich. Die ersten vierhundert Höhenmeter ist es ein schöner gepflegter Walserweg.

Dann in der Nähe der Alpe wird der Weg etwas unzuverlässiger und oben vor dem Pass ist es ein Gebirgspfad. Ich beeile mich, denn ab 11:00 können schon wieder Gewitter anrollen.

Blick zurück auf den Abstieg gestern, ich hoffe, man kann die Serpentinen in der steilen Wiese erkennen.
Die Alpe Vorco.

Als ich oben am Pass, Col di Mud, 2.324 m, bin, habe ich den Eindruck, dass noch etwas Luft sein könnte, deshalb bin ich zum Rifugio Ferioli und haben eine phänomenale Schokolade getrunken. Zwar musste ich fast zwanzig Minuten warten, aber die Schokolade war in der Tasse so dick, dass man sie mit der Gabel essen könnte. Dazu hatte ich noch einen Espresso bestellt und beides, Schokolade und Espresso, gibt dem Körper alles, was er in den Bergen braucht.
Dann Abstieg, so wie Abstiege sind, steil und lang. Nach paar hundert Metern teilte sich das Tal in einen Canyon rechts und einen links. Der Sporn in der Mitte auf dem es runter ging, war aus Serpentin. Zwischendurch blitze das Grün-Blau auf. Auf dem Foto sieht das leider nicht so ganz beeindruckend aus.

Am Schluss ging es nochmal auf einen alten Walserweg mit steinernen Treppenstufen – das geht auf die Oberschenkel. Unten dann der Ortsteil Ronco, er noch so aussehen soll wie vor dreihundert Jahren. Leider regnete es in Strömen. Aber genau dann kann man den Vorteil der Walser-Architektur erkennen. Ich hoffe, man erkennt die Teppiche, die am rechten Haus zum Lüften draußen hängen. Weil die Häuser einen so großen Dachüberstand haben, wird auf den umlaufenden „Balkonen“ nichts nass.


