
Blick auf den Hochschwab durch das Seewiesental
Der Abstieg von der Hohen Veitsch und der Meranhütte über den Teufelssteig war – trotz des Namens – leicht, T2 eben. Dann abwechselnd langweilige Forststraßen und interessante Pfade.
Doh dann ab der Seebergalm bricht sich wieder die Unsitte Bahn Wege möglichst senkrecht der Berg hinauf und genauso in Falllinie den Berg hinunter anzulegen. Erst die alte zerfallene Straße gerade zum Pass hinauf – auf der anderen Seite erst senkrecht den Berg runter, später noch immer steil mit wenigen Serpentinen. Ich habe selten so einen fantasielos angelegten Wegeabschnitt gesehen. Es ist besser und nicht viel gefährlicher die Bundesstraße nach Seewiesen runterzugehen. Bitte den Weg besser anlegen! Das ist der Nordalpen Weg, das Paradestück österreichischer Weitwanderwege!

Das Hotel-Restaurant in Seewiesen wird von einer als Unternehmerin des Jahres ausgezeichneten Chefin geführt. Sie zeigte mir auf ihrem Handy Videos von der 30 – 40 köpfigen Steinbockherde, die am Franzosenkreuz am Tag zuvor geweidet hat – eindrücklich die Bilder.
Ich quäle mich ziemlich die letzten Meter zur Voisthalerhütte hoch. Mir ist völlig unverständlich, wie ich planen konnte, noch weitere fünf Kilometer und 500 Höhenmeterzur Schiestlhütte aufzusteigen – ich bin platt! Die Füße tun mir weh – ich bekomme wohl eine Blase unter der linken Ferse und am rechten Fuß tut der Ansatz der Achillesehne weh.
Die Hütte aber ist beeindruckend. Eine ganz moderne Hütte vollständig aus Holz. Es gibt kein WLAN, weil am Ende des Tals kein Empfang mehr ist. Es gibt keine Duschen, weil in dieser Höhe im Kalk nicht genügend Wasser zur Verfügung steht. Aber es gibt Strom zum Laden. Abends drei Gerichte zur Auswahl. Es herrscht ein ansteckend freundlicher Umgang. So könnte Modernität im Alpinen Raum aussehen: Zurück zu den Anfängen mit den Einschränkungen, die notwendig und sinnvoll sind. Diese Selbstbeschränkung unterstreicht die Konzentration auf die körperliche und geistige Anstrengung auf den Wegen durch die Berge.
Während ich auf das Essen warte, schaue ich durch das Panoramafenster einem Steinbock zu, der gemütlich an der Hütte grast. Später entdecke ich eine Gams mit einem sehr jungem Kitz.
Das Hochschwabgebiet ist ein großen Klettergebiet – wie mir drei Kletterer am Tisch erzählen. Sie planen eine 5-, ich denke, „geht doch“, aber sie erzählen, dass die Bewertungen von den Alten sehr, sehr streng sind. – Woher kennen wir das? Und wenn dann Routen renoviert und tatsächlich mehr Haken gesetzt werden, dann werden sie abgesägt – wie bei uns. Muss dieser alpinistische Hochmut wirklich sein: „Wenn du da nicht hochkommst, dann lass das Klettern doch!“

Die Kletterer sind am nächsten Morgen schon vor mir fertig.

