Das Franzosenkreuz am Hochschwab

Im Alpenraum gibt es viele Franzosenkreuze. Napoleon eroberte 1803 – 1815 Westeuropa – auch Wien, da gab es auch an vielen Orten Gefechte mit französischen Soldaten. Die meisten Franzosenkreuze erinnern an gefallene französische Soldaten, die von den Einheimischen in der Nähe des Kreuzes bestattet wurden. Das ist ein Zeichen der Menschlichkeit und des Respektes für den Feind, der zwar Feind war, aber tot ein Mensch bleibt.

Für viele Franzosenkreuze gibt es einen Eintrag und Bilder in der Wikipedia.de. Nur das Franzosenkreuz am Hochschwab ist dort erwähnt, es gibt aber keinen Artikel und auch kein Bild. Das verwundert.

Das Franzosenkreuz am Hochschwab ist eine wichtige Landmarke, es steht im Aufstieg aus dem Seewiesental zur Voisthaler Hütte auf jenem Wall, der einen Karstkessel markiert und in den man noch einmal absteigen muss, bevor die Höhenmeter endlich für den Aufstieg zur Hütte zählen. Eine wichtige Landmarke. Deshalb überrascht es, dass in outdooractiv.com dieses Franzosenkreuz vielfach in Wegbeschreibungen erwähnt wird – aber ich nicht ein Foto gefunden habe.

Und auch mir ist ein Foto nicht gelungen. Aber das liegt daran, dass mein Telefon, das die Fotos macht, äußerst eigensinnig, manchmal politisch eigensinnig ist. Als ich schnaufend vom Aufstieg am Franzosenkreuz mein Telefon zückte, um die Inschrift auf einer Edelstahlplatte von 1931 zu fotografieren, konnte ich gerade noch lesen, „Dem heroischen Freiheitskampf des steirischen Volkes“. Aber dann wurde der Bildschirm dunkel und düster plärrend wie aus einem Volksempfänger waren frenetische „Heil Hitler“ Rufe zu hören. Dann wurde der Bildschirm wieder klar und in schwarz-weiß lief in Schleife ein Filmausschnitt wie der Österreicher A. Hitler die Huldigungen seines Vaterlandes in der Hofburg (15.03.1938) entgegennahm, obwohl er doch im Ausland „Führer“ geworden war.

Ich konnte dies Filmchen und die Schreie nur beenden indem ich mein Telefon vollständig heruntergefahren habe.

Historisch bestätigt ist, dass die Franzosen auch in das Tal vorrücken wollten, in dem Seewiesen liegt. Die Bauern, die Bäuerinnen sind klug und schnell gewesen und sind mit ihrem Vieh und Kind und Kegel in den Talkessel unterhalb der heutigen Voisthaler Hütte gezogen und haben abgewartet, das die Gefahr vorüber geht – so rettet man Leben. – In Seewiesen gab es Gefechte, aber die Franzosen haben sich zurückgezogen. Am Franzosenkreuz am Hochschwab liegen deshalb keine Franzosen begraben.

Bis 1931 hat sich das „steirische Volk“ an seine eigene Klugheit erinnert, wenn sie das Kreuz sahen – sicherlich auch an die Beschwernis über Tage in diesem Kessel auszuharren. Aber seit 1931 haben sie sich nicht gewehrt, dass ihre Erinnerung instrumentalisiert wurde. Schade.

Es geht in der Steiermark auch anders: In einer Tordurchfahrt in Eisenerz stutzte ich, als ich weiß-schwarze Porzellankacheln in der Wand sah. Bitte schaut euch die Kacheln an.

Nicht nur in der Stadt in der Tordurchfahrt, sondern auch am Leopoldsteinsee und an der Präbichl-Passhöhe – zwischen dem Eisenerzer Tal und dem Tal, das nach Leoben führt – gibt es Gedenkstätten.

Ich muss mit meinem Telefon, das auch Fotos macht, verhandeln! Denn wenn manche die Nazi-Vergangenheit wieder zur Gegenwart machen wollen, dann reicht es nicht, darüber zu erschrecken, was damals passiert ist. Dann müssen wir diejenigen loben, bestärken und unterstützen, die mit großer Geduld und – ja – Liebe mit Menschen reden, um sie zu überzeugen, dass unsere Heimat für alle reicht, allen Platz gibt, die in Frieden, Gerechtigkeit und mit Respekt unseren Unterschieden gegenüber hier leben wollen.

Ein Kommentar

  1. Sehr bewegend ….
    Und ja, da hast Du Recht, ein jeder von uns kann in seinem Umfeld zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander beitragen.

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