Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 5.19, 27.07.26
41,6 km, 15 hm rauf, 414 hm runter, 8:48 / 10:58 h
Morgens nach dem Frühstück habe ich mich wiedermal von Martin verabschiedet. Es wäre ja lustig, wenn wir uns am Montblanc wiedertreffen, denn dahin führt auch die rote Via Alpina.
Es geht ruhig auf der alten Bahntrasse bergab, noch in Soazza an interessanten Treppen, dann durch kurze Tunnel.

Später auf dem Damm, der die Äcker und Dörfer vor dem Moesa Hochwasser schützen soll. Die Moesa ist hier schnurgerade eingedeicht.
Ich komme an eine merkwürdige Ampelkonstruktion.

Beim genauen Hinsehen, sieht man dass die Häuser verlassen sind und hinter ihnen eine Mure alles zugeschüttet hat. Der Wanderweg ist geschlossen und der Weg für Fußgänger über die Brücke und für Autofahrer auf der Kantonsstraße wird bei “Murganggefahr” – ein schönes Wort! – per roter Ampel geschlossen. In diesem Tal bewegt sich einiges an Gestein herab: Zahlreiche Wanderwege sind zerstört und geschlossen. In Europa steigen die Temperaturen schneller als auf anderen Kontinenten, in den Alpen schneller als im europäischen Durchschnitt. Die Kosten werden sichtbar.
Nachdem ich lange geradeaus auf dem Deich, mal rechts, mal links, und immer neben der Autobahn gelaufen bin, freue ich mich, dass es in den Wald geht. Auch wenn ich da langsamer vorankommen.

In Roveredo mache ich in der Bahnhofsgaststätte Pause und esse eine ganze Pizza und weiter geht’s.
Dann ein schöner Pfad – nach einer Brücke wird er schmaler und dünner und plötzlich stehe ich an einem Seitenarm der Moesa, einem neu angelegten Seitenarm – ökologisch und hochwasserschutzmäßig wertvoll, aber der Weg ist weg. Es sieht aber gut aus!


Ich komme nach Bellinzona und bleibe auf dem Damm und erliege nicht der Versuchung der ersten großen Stadt seit langem. An einer Brücke sehe ich eine Piratenflagge. Nachdem ich in Südafrika Fan der Orlando Pirates geworden bin, weil sie mich an die Heimat, FC St. Pauli, mit ihrem Totenkopf erinnerten, fühle ich mich verpflichtet nachzuschauen, was diese Piraten so treiben. Drei Foodtrucks etwas alternativ-chaotisch angehaucht. Ich esse einen Burger und trinke mein Süßgetränk und Bier – ja, Bier. Es ist ja nach zwölf und mir tun alle Knochen weh.
Die Hitze – die Hitzewarnungen des Meteorologischen Dienstes ploppen jeden Tag auf dem Handy auf – geht zwar allmählich zurück, aber der Weg auf dem Deich wird jetzt richtig langweilig.






Am Schluss noch zwei Kilometer Straße nach Cadenazzo. Meine Karte in der App hatte nicht bedacht, dass dies die Ausweichroute im Feierabendverkehr ist – die Straße aber nur so schmal,dass zwei Autos nur im Schritttempo aneinander vorbeifahren können. Und mit mir als Fußgänger bricht jetzt der Verkehr zusammen. Gefährlicher als gestern in den Bergen!

Im Hintergrund am Hang sieht man schön den täglichen Stau auf der Autobahn nach Lugano. Da standen wir auch schon mal drin.
Ich habe einen Muskel im rechten Unterschenkel gezerrt, weil ich versuche aufzutreten, ohne im Schuh die Blase zu berühren.
Ich komme trotzdem an, freue mich über die Klimaanlage, kaufe an der Tankstelle einen Liter Bier und verzichte auf das Abendessen.
Ob ich morgen die letzen 10 km auf dem Deich zum großen Teich laufe, bezweifel ich – das macht überhaupt keinen Sinn! Außerdem fährt vor der Haustür der Bus nach Mendrisio und es gibt eine Haltestelle am Bootsanleger!


Gestern die Mega-Etappe und heute schon wieder mehr als 40km. Ich frage mich, ob wir Dich wieder erkennen werden, wenn Du wieder zu Hause bist. Wir haben Dich schon so lange nicht mehr gesehen, noch nicht mal ein Foto 😔