Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 7.01, 12.08.26
25 km, 1.073 hm rauf, 1.827 hm runter, 6:46 / 8:12 h
Kurz auf der Straße, die noch weit in das Tal Valgrisenche (das zentrale Dorf heißt genauso) hineingeht,, dann bergauf. Auf einer gemütlich ansteigenden Fährstraße in weiten Serpentinen, dann auf einem steilen Pfad hinauf in die Flanke des Monte Pela, 2.523 m. An dessen südlicher Seite schleicht der Pfad entlang. Es wird immer ausgesetzter, bis an einer Rinne, die bis hier hoch reicht, der Pfad nur noch fußbreit ist. Ich kann neben meinem linken Fuß links tief unter mir das Tal sehen. Aber nur kurz, ich konzentriere mich auf mein Stress reduzierendes Atmen. Kaum ist die Stelle überstanden und ich komme weiter um den Berg rum, über zehn Meter feiner Splitt, siebzig Prozent zum Tal geneigt. Es hängt ein Seil, das aus vielen alten Seilstücken zusammengeknotet ist, an manchen Stellen ist der Seilmantel durch und der Kern schaut raus. Das war richtig ungemütlich. Mir leuchtet ein, dass dieser Pfad auf keinem der Schilder in Talnähe angekündigt ist. Als es flacher wird verliert sich der Weg und ich bastel mir mit dem GPS eine Richtung, steige ein paar hundert Meter ab und komme mit einigem vor und zurück an der Alm Revera Bassa raus. Da gibt es Wasser, das ich jetzt dringend brauche.
Ganz viele Wanderer kommen an dieser Alm auf dem Fahrweg an. Wie haben sie das geschafft? Sie sind mit dem Bus weiter ins Tal hinein und damit auch höher hinauf gefahren und von der Haltestelle aus hochgelaufen. Kann man auch machen. Warum hampel ich auf halb vergessenen Wegen oben über dem Berg rum? Ich weiß keine Antwort, die mich selbst überzeugt.

Es geht für mich noch etwas weiter runter und der Bach der Grand Alp wird gequert – nun geht es in erst in Serpentinen und dann steil zum Col du Mont, 2.632 m, hoch, Grenzübergang nach Frankreich. Es pfeift der Wind und mir wild kalt.


Erinnerung italienischer Alpinisten daran, dass in den Bergen nur die Einheit und Freundschaft der Völker zählt. – Bon!
Und in der Tat wird nicht so wirklich deutlich, welche Berge italienisch und welche französisch sind:


Zuerst Italien, dann Frankreich.
Ich steige ab auf einem wirklichen gemütlichen Pfad. An dem Refuge de l’Archeboc mache ich Pause. Ich Frage die Wirtin, ob ich etwas zu essen bekommen könnte, Pasta zum Beispiel. Sie antwortet spitz: „Es gibt keine Pasta, das hier ist keine italienische Hütte, sondern eine französische!“ – „Ah, Sie mögen also keine Pasta, weil sie italienisch ist.“
Immerhin kriege ich dann Käse und etwas zu trinken. – Schade, es gibt auch nicht mehr das gute italienische Lemon Soda mit Zitronen aus Sizilien. Franzosen verkaufen lieber das amerikanische Schweppes mit künstlichem Geschmack. Wie gut, dass ich auf dieser Hütte keine Übernachtung bekommen habe.
Jetzt heißt es Strecke machen und noch gut 1.000 m runter. Der Weg ist ganz schön, am Talhang entlang, aber er steigt nur wenig ab, sondern bleibt dann über Kilometer auf 1.700 m. Gut, dann mache ich Tempo. Endlich die Möglichkeit weiter abzusteigen, auf alten, steilen Wegen. Es wird immer heißer. Ich finde Gott sei Dank noch Brunnen, denn ich bin durstig wie ein Pferd. Aber heute merke ich Füße und Knien als ich endlich in Sainte Foy auf 1.050 m ankomme.

