Villeneuve, bei Aosta – Bonne, Valgrisenche, ein Seitental

Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 6.11, 11. 08.26

23,5 km, 1.446 hm rauf, 305 hm runter, 6:04 / 7:04 h

Nachdem die Kette in Valpeline-Aosta unterbrochen war, weil der Weg nicht mehr begehbar war, geht es heute, vom Hotel direkt los. Erst zur Post, die letzten Sachen zurückschicken und dann an den Fluss, der durch das Aostatal fließt, Doro Baltea steht auf der Karte. Es ist ein schöner kaum begangener Weg direkt am Fluß – häufig stehen Warnschilder vor einer Flutwelle, wenn die Wasserkraftwerke die Schleusen öffnen – vielleicht ist er deshalb nicht als Wanderweg markiert.

Ich treffe einen Winzer, der seine Reben pflegt, die Blätter um die Trauben abschneiden und die Trauben, die zu viel sind, auch. Und das ganze dreißig bis fünfzig Zentimeter über dem Boden.

Dann muss ich den Fluss verlassen und gehe einen verfallenen Pfad hoch nach Arvier und unterqueren die alte, stillgelegte Bahnstrecke – die später noch wichtig wird.

Durch Seitengassen komme ich nach Leverogen. An den Häusern eine Fotoausstellung mit Bildern aus den alten Zeiten – alle Erstklässler, wie das Dorf früher aussah. Identität stiften, um das Dorf zu erhalten. Viele Häuser sehen schon gut renoviert aus, an anderen wird noch gebaut.

Oberhalb des Dorfes und noch oberhalb der Autobahn, die für ein paar hundert Meter aus den Tunneln schaut, ein Weiler Chez les Garin, Häuser mit Geschichte und mit Informationstafeln.

Da bin ich immer stolz, dass das mit EU-Mitteln gefördert wird!

Hier wurden am 13.09.1944 10 Zivilisten von einem faschistischen Batallion verhaftet und ermordet, weil sie in Kontakt mit Partisanen gewesen sein sollen, die im Verdacht standen den Eisenbahnviadukt sprengen zu wollen – der aber noch immer steht. – Vielleicht legt Ministerpräsidentin Meloni am 13.09. hier ein paar Blumen nieder, als politische Nachfolgerin der Täter.

Zwischen diesem und dem nächsten Haus steht ein alter Dorfbackofen – wow!

Am nächsten Haus wird es ebenfalls spannend. Dort wurde Maurice Garin geboren. Er gewann die allererste Tour de France!

Dann geht es steil, sehr steil, weiter bergauf. Die Sonne scheint unerbittlich in den Hang, in dem ich aufsteige. Ich komme wieder auf die Rote Via Alpina, der ich ja lange durch die Schweiz gefolgt war. Der Weg ist elegant durch die Felswand gelegt, es geht gleichmäßig steil bergauf – bisweilen etwas ausgesetzt. In einem ersten Almdorf, Baisse Piere, tröstet mich ein Franzose, der Weg sei nicht schwer, in vier Stunden könnte ich in Valgrisenche sein.

Das sind doch Herbstzeitlose! Anfang August?

Dann geht es weiter bergauf nach Baulin, 1.760 m. An dem Brunnen trinke ich wie ein Pferd. Dann geht es bergab auf Asphalt zur Straße im Tal.

Im Winter muss hier der Affe toben. Planaval ist Start-Landeplatz für Heli-Skiing. Im Tal komme ich endlich wieder auf Feld- und Waldwegen. Aber es fängt an zu Nieseln, dann wird es stärkerer Regen. Als ich die Regenjacke anhabe, wird der Regen wieder schwächer. Also ziehe ich die Jacke wieder aus, als es kurz vor Valgrisenche bergauf geht. – Das Umziehen ist immer ein Akt: Rucksack runter vom Rücken, Kameratasche runter, Regenabdeckung vom Rucksack runter, Rucksack aufmachen, Staubschutz öffnen, Jacke aus dem Packsack holen oder dorthin wieder einpacken. Dann alles rückwärts.

Ok, es bleibt bei Niesel und ich schlenderte durch das schön restaurierte und verkehrsberuhigte Valgrisenche. Auch hier eine Fotoausstellung der alten Zeit. Durch den Tunnel hinter dem Dorf und dann auf einem alten Weg steil hinauf nach Bonne, 1.800 m.

Damit ist der Wegabschnitt von den großen oberitalienischen Seen, durch die Walsertäler und dann unter dem Lyskamm, der Monte Rosa Gruppe und dem Matterhorn, dem Fernblick zum Mont Blanc und durch das Aostatal zu Ende. Morgen komme ich über den Berg nach Frankreich und die Tagesetappen bekommen ein 7er Nummer. Jetzt geht es nach Süden, nach Nizza!

Das Wetter bleibt so wie es bisher in den Bergen war: Um 12:00 Uhr das erste Gewitter mit Schauern, dann ab 16:00 Uhr die regulären Gewitter.

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