Vanoise, Sainte Foy nach Tignes 2100

Alpendurchquerung Wien – Nizza, WN 7.02, 16.08.2026

17 km, 1.097 hm rauf, 349 hm runter, 4:33 / 5:38 h

Ich wollte schon immer einmal in Köln Chorweiler oder Ratingen West übernachten. Heute habe ich es geschafft. Ich bin in Tignes 2100 gelandet. Es sieht aus wie Ratingen West, weil es aber für betuchtere Klientel ist, sind an den Hochhäusern Lerchenholz Applikationen – ungefähr dort, wo in Köln Chorweiler abends jetzt bunte Farben leuchten. Der Name Tignes 2100 hat nichts mit dem Datum der Fertigstellung des Stuttgarter Bahnhofs zu tun, sondern wie bei der Schwester Retortenstadt Tignes 1800, gibt es nur die Höhe an, auf der diese Stadt gebaut wurde. Wahrscheinlich hat man gemerkt, dass 1.800 Meter nicht schneesicher ist und ist höher gezogen. Alles dreht sich’s um Skifahren. Gleichzeitig wird für den Sommer mit Mountainbiking, Trailrunning und Hiking Werbung gemacht.

Das Hotel ist modern. Problematisch nur, dass hier die erste Generation von bodengleichen Duschen eingebaut wurde. Bei meinem Duschversuch läuft das Wasser fast bis unter das Bett.

Aber noch liegt vor der Dusche der Weg von Sainte Foy den Berg hinauf. Da viele Handwerker im Hotel in Sainte Foy waren, gab es schon früh Frühstück, so dass ich um kurz vor 7 Uhr auf dem Weg bin.

Erst ging es schön neben der wichtigen Verbindung, D 902, auf alten Wegen unter schattigen Bäumen entlang. Dann kam der Moment an dem mein Weg aufhörte und ich auf der Straße gehen musste. Das war äußerst unheimlich, weil es sehr viel Verkehr gab. Handwerker in Vans und Sprintern, Lastwagen, die Beton, Kies oder Steine transportierten und ganz lange Lastwagen, der Ladung mit Planen verdeckt waren. Dazwischen Einheimische, die zur Arbeit wollen und versuchen zu überholen und Touristen, die gerne schneller im Urlaub ankommen würden. Es rauscht nur so neben mir. Ich habe mir die Stirnlampe auf den Kopf gesetzt, nach hinten gedreht und das rote Licht angemacht – in der Hoffnung, dass mich alle Autos dann sehen. Und dass sie mit mir genauso freundlich umgehen wie mit den Radfahrern, die auch auf den Weg den Berg hinauf sind. Rechts neben mir geht es steil in den Canyon hinunter. Nicht sehr vertrauenserweckend ist, dass ich sehen kann, wie sehr die Betonabsperrung zur Seite hin schon durch den Kontakt mit Autos und Lastwagen demoliert ist.

Nach knapp drei Kilometern ist es überstanden, es geht hinauf in den Wald. Steil ansteigend und dann wieder absteigend und dann wieder aufsteigend und wieder absteigend geht es auf alten Wegen am Hang entlang, die meiste Zeit im Schatten. Obwohl ich immer höher komme, wird es immer heißer.

Ich merke, dass ich heute nicht so gut in Form bin. Als ich Pause mache, will ich nichts essen, nur trinken. Es ist heiß und mir ist heiß. Eine Weile geht es über Almen – ohne Schatten.

Es geht zu einem Bach hinab, steil und rutschig. Steil hat sich der Bach eingegraben, ich höre ihn tief unter mir rauschen. Bevor ich den Bach überqueren kann, stehe ich vor vier Warnschildern. Auf Französisch, Italienisch und Englisch wird erklärt, dass die Kraftwerke plötzlich oberhalb Wasser ablassen könnten und dann – das zeigt das vierte Schild – donnert ein hoher Schwall Wasser den Bach hinunter und baut sich drohend über dem Wanderer auf. Aber der Bach ist doch zehn, zwanzig Meter unter mir – ist die Welle wirklich so hoch?

Über eine große Steinplatte und Holzplanken geht es über die Schlucht in der der Bach rauscht. Und dann geht es steil über mit Wasser überflossene Felsen hoch. Es gibt ein Seil. Sehr angenehm ist, dass das Stahlseil mit Plastik ummantelt ist, es ist griffiger und leichter festzuhalten.

Wenn nur nicht die Sonne wäre und die Hitze. Der Weg über die Alme und durch die lichten Wälder ist schön. Aber bei jedem Anstieg spüre ich jetzt, ich komme nicht vom Fleck – und mir wird übel.

Es wird zu einer richtigen Quälerei bis endlich der Staudamm in Sicht kommt. Noch einmal aufsteigen und dann über glutheißen Asphalt absteigen. Es weht nicht der leiseste Wind. Die heiße Luft liegt breit und bräsig und erstickt alles. Über den Staudamm rüber gehen und nach Tignes 1800 kommen. Ich hole mir in dem Lebensmittelladen 1 Liter Zitronenlimonade. Mir ist schlecht, aber ich bin durstig. Ich weiß nicht, was mich so fertig macht. Ich sitze eine knappe Stunde vor dem Lebensmittelladen, bis ich mich traue, weiter zu überlegen. Alle halbe Stunde fährt ein kostenloser Bus nach Tignes 2100. Ich bin froh, dass ich da einsteigen kann. Im Hotel muss ich noch etwas warten, bis das Zimmer fertig ist. Den Nachmittag verschlafen ich. Ich hoffe, dass es mir morgen besser geht.

2 Kommentare

  1. Eigentlich wollte ich lästern wegen des Duschwassers am Bett. Von Wasserbetten hattest du bisher glaube ich noch nichts erzählt.
    Jetzt hoffe ich, dass es dir schnell besser geht. Magenverstimmung hattest du ja schon, das ist abgehakt.
    Gute Besserung!!

  2. Und ich dachte eigentlich zuerst an den Zivilisations-Schock bei Deiner Eingangsbeschreibung. Jetzt schließe ich mich aber lieber mit Guter und baldiger Besserung an. LG

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