Der Anfang ist gemacht: WN 1.1 – Perchtoldsdorf – Baden

Als ich aus dem Zug ausstieg regnete es. Alles umpacken und Regensachen an. Dann direkt am Bahnhof auf einen Feldweg. Ganz viele Weinbergschnecken.

In der Innenstadt ist mir ein Heilpraktikerschild aufgefallen: Frau „Dipl.-Ing., Dr.“ Was ist das wohl für eine Lebensgeschichte? Als Frau im Männerberuf, nicht nur Dipl.-Ing., sondern sich dann weiter durchgebissen und promoviert. Wollte sie dann niemand einstellen – zu sehr Frau, zu intellektuell, um nicht zu sagen, zu klug? Oder hat sie in ihrem Beruf gearbeitet, wollte aber dann mehr „mit Menschen“ zu tun haben? – Das nächste Mal in P. klingel ich …

Dann, zwar noch immer auf Asphalt, aber sehr schön durch Weinberge hinauf in den Wienerwald. Was für ein Wald! Kalkboden und darauf Buchen und Eichen – und dann kam die Sonne durch und schien durch die maigrünen Blätter. Und der Geruch: Überall, hektarweise Bärlauch, am Nordhang noch kurz vor der Blüte, im Süden schon mit den Früchten.

Ersten Aufstieg geschafft geht es sofort wieder runter. Ein Schild:

Vielleicht kriegt ihr raus, was da los war, 1934. „Niemals vergessen“, das wird heute nicht mehr reichen. Wir müssen in die Schuhe kommen und die Demokratie, die Werte einer offenen Gesellschaft (am Wiener Hauptbahnhof gibt es eine Karl Popper Straße) und dann unsere Freiheit verteidigen!

Dann wieder Aufstieg. Kalkgebirge – zumindest dieser Teil des Wienerwaldes – deshalb in den Tälern keine Bäche. Also den Weg in die Mitte des Tales gelegt und sich damit der Topographie ausgeliefert: Der Weg wird dann so steil wie das Tal zum Kamm ansteigt – und wie steil! Ich Versuche mit kleinen gleichmäßigen Schritten in Ruhe hochzukommen. Keine Pause machen, sondern gleichmäßig Schritt für Schritt und ruhig atmen. Mir tropft der Schweiß. Dann kommt mir die rettende Idee: Ich muss doch für euch ein Foto machen und dafür muss ich das Handy auspacken – und anhalten.

So sah der Weg vor mir eine dreiviertel Stunde lang aus. Etwa 12 % oder mehr und immer das gleiche Bild ohne dass ein Ende sichtbar wird. Und dann wurde es auf nassen Lehm noch richtig rutschig.

Im Anningerhaus Pause gemacht. Von dort aus nur noch bergab – bis auf eine kleine 80 hm Gegensteigung. Durch den Kurzpark hinunter nach Baden. Die alten Kurgäste mit Stöcken kommen mir spritzig und lächelnd entgegen. Mir sind die letzten Kilometer eine ziemliche Qual.

Aber geschafft. Ich bin gespannt wie es mir morgen ergeht.

Ein Kommentar

  1. Endlich, erst jetzt haben wir Deine Nachrichten erhalten. Da hast Du Dir eine anstrengende Etappe für den Start ausgesucht und dann auch noch mit Materialtest 😉

    Hans Fröhlich war ein Widerstandskämpfer, in Wikipedia u.a. Seiten findet man einiges über ihn.

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