WN 1.7 – Neuberg an der Mürz – Meran Hütte

Eine unspektakuläre Tagesetappe, es ging den ganzen Tag auf einem Grad bergauf, bergab und dann wieder weiter bergauf. Ich habe einen Jungen Hirsch und eine Hirschkuh gesehen, ein Birkhuhn – diesmal bin ich mir sicher – und einen Käfer, den ich fotografiert habe.

Ab der Mitte der Strecke wird alles nass, nicht unbedingt, weil es regnet. Nein, das Gestein unter den Füssen ist nicht mehr Kalk, in den hinein jeder Tropfen sofort versickert – es ist Schiefer oder ein anderes metamorphes Gestein, das kaum Wasser durchlässt. Deshalb grünt es im Überfluss. Am schönsten sind – im Herbst mit Sicherheit – Heidelbeeren, soweit das Auge reicht. Jetzt machen sie mich richtig nass:

Mit den Hosenbeinen streife ich den Regen von den Büschen und das Wasser läuft hinunter in meine wasserfesten Schuhe – die auf diesen Angriff am Bein entlang nicht vorbereitet sind. Meine Füsse quatschen bei jedem Schritt. Im Herbst sind die Heidelbeeren ein Gewinn, mit Sicherheit!

Spannend war der Wind und der Regen.

Es hat heftig gerauscht – aber es hat noch nicht geknackt in den Bäumen.

Auf den letzten Kilometern auf knapp 2.000 m auf einem Hochplateau, kam der Wind so stark von rechts, dass ich den linken Stock immer in sechzig Grad zur Seite gesteckt habe, damit mich der Wind nicht aus der Spur drückt.

Am meisten war ich dem Wind ausgesetzt, wenn ich durch einen Sattel zwischen zwei Gipfeln auf dem Grat muss. Die Wolkenfetzen jagen durch den Sattel mit bestimmt 70 bis 80 Stundenkilometern.

Manchmal macht der Wind an meinem Material Geräusche. Es zischt und pfeift. Und direkt neben meinem rechten Ohr entsteht ein Ton wie von einer Orgel – ich warte darauf, dass endlich ein zweiter Ton kommt. Nach einer Pause – nein, der erste Ton wieder. Mir ist kalt.

Die Meranhütte ist klein und rustikal und am schönsten ist, dass die Hütte im Wind Geräusche macht. Es klappert, dann ist Stille; es knallt, raschelt, Stille, dann zischt es – ein Konzert die ganze Nacht. Ich schlafe trotzdem im Lager gut. In den Klamotten, mit denen ich gewandert bin natürlich. Nur unter Strafandrohung hätte ich mich in der Kälte ausgezogen.

Um halb sieben Frühstück und ich verabschiede mich von dem kanadisch-bayrischen Paar und von dem Steiermarker, der mir erklärt, warum „man“ über den Berg nach Mariazell wallfährt. Er erinnert mich daran, dass die Bedienung in Grünbach mir zum Abschied „eine gute Wallfahrt“ wünschte – so falsch ist das gar nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert