Heckenbraunelle – Bohrhaken – Eisenerz
Auf dem Ottohaus war auch eine Gruppe Studiereder, die zu vogelkundlichen Exkursionen auf der Rax waren. Die Studierenden waren schon losgezogen um Vögel zu beobachten, ihr Dozent saß noch in der Sonne. Wir kommen ins Gespräch.
„Welche Vögel sollte ich denn auf der Rax hören und sehen?“ – „Die Heckenbraunelle ist typisch für den Latschengürtel auf der Rax. Ihr Ruf klingt wie ein quietschen des Kinderfahrrad.“
Sagte es und zeigte auf die Spitze einer Fichte unter uns: „Da sitzt sie!“

Ich konnte immerhin einen Vogel auf dem Zweig ausmachen. Er erzählte von balzenden Birkhühner auf der Wiese unterhalb der Hütte. Und wir waren im Gespräch und erzählten von unseren Väter, die über neunzig sind und an den Folgen des Altsein leiden. Interessanter Biologe der von Asien schwärmt.
Als ich los ging, hörte ich überall Vögel. Nicht dass ich Ihre Stimmen verstanden hätte, wie Orpheus, aber sie umgaben mich.
Und als ich vom Karl-Ludwighaus zum Fuchslochsteig aufstieg begleitete mich der schnarrende Ärger eines etwas huhngroßen Vogels. Beim ersten Mal sah ich ihn nur im Augenwinkel wegfliegen. Aber offensichtlich ging ich dort hin, wo er bleiben wollen und ärgerlich weiterfliegen musste. Beim zweiten und dritten Mal sah ich, dass seine Flügel von obengesehen weiß waren. Bei Wikipedia sieht und klingt ein Birkhuhn anders.

Der Fuchlochsteig ist nicht etwas, was im Abstieg Begeisterung auslöst. Sehr steil geht es erst über Wiese hinab und man schaut in eine Rinne, die nach unten offen ist. Solange Schotter auf dem Weg liegt, findet der Schuh Halt. Aber dann kommt ein Abschnitt, da geht es steil über blanke feuchte Erde hinab. Rechts schleicht man um eine Felsnase, steht dann auf einer nächsten und sucht wo die Spuren hinführen. Die Rinne wird immer tiefer zur Schlucht und der Blick nach unten führt ins Leere. Ich rede mit mir. „Du weißt wie man alpine Steige geht, wie man die Füße sicher setzt.“ Immer wieder bleibe ich stehen, um den Pfad zu suchen und zur Ruhe zu kommen. Dann stehe ich auf einem Absatz und es ist klar, da kann ich nur Runterklettern. „Du kannst klettern.“ Ich muss mich schon strecken, um an die Tritte unter mir zu kommen. Dann auf groben Schotter an der Felswand entlang zum nächsten Absatz. Ein Zangengriff erinnert mach an Jenny.* Vorschriftsmäßig hänge ich mich seitwärts an dem Griff und schwinge mich abwärts. „Du weißt, dass das Absturzgeländer ist, aber du denkst nicht daran.“ In dem Geröllabschnitt nach der Kletterpassage löse ich einen zwanzig Kiloblock, der an mir vorbeirutscht und unterhalb liegen bleibt. Nächsten Absatz kletter ich ab und sehe vor mir zwei Wanderstöcke aus Holz, sauber an die Wand gelehnt. „Sinnvolle Entscheidung!“ Auch ich hatte schon vor dem ersten Absatz die Stöcke an den Rucksack gemacht. Dann stutze ich. „Wieso will jemand mit solchen Holzbalken überhaupt hier hoch.“
Ein paar Schritte weiter sehe ich einen Bohrhaken.* Vollständig unsinnig platziert. Kein Kletterer würde hier einen Bohrhaken setzen, um sich zu sichern. Außerdem ist das keine Kletterrouten, sondern ein Steig. Aber auch kein Bergführer würde an dieser Stelle, den Haken setzen, um einen Kunden nachzusichern. Die Gefahrensttelle, der nächste Absatz, liegt zu weit unten.
Dann merke ich, wie ein Kälte meinen Rücken hochsteigt und meine Haare sich aufrichten. Die Bergwacht hat den Haken gesetzt, um bei einem Unfall, die Bergwachtler und das Material zu sichern und um einen Fixpunkt zu haben, um sicher zum Verunfallten zu kommen.
„Rede mit mir!“ – „Bergwacht, Ja. Aber es muss niemand verletzt oder gestorben sein.“ – „Ach, was!“ – „Schau dir die Stöcke an, die oben standen. Kein alpinistisch Erfahrener geht mit Rübezahl-Stöcken, sondern mit Alu- oder Karbon. Da sind zwei Wanderer eingestiegen, die nach dem ersten Absatz blockiert haben, nicht vor- oder zurückwussten und die Bergwacht gerufen haben – bevor etwas passiert.“
Ich klettere den letzten Absatz ab, steige durch Geröll vorsichtig runter und bin aus der Rinne raus. Unter einen Überhang setzte ich mich und komme zur Ruhe. Nach einer halben Stunde gehe ich weiter.
Als ich durch den Latschengürtel weiter absteige, werde ich ärgerlich. Die Schwierigkeit des Fuchslochsteig ist mit T2 in Outdooractiv angegeben. Kletterstellen, die mit UIAA 1 oder 1+ bewertet werden können, gehören nicht in einen Steig in Absturzgelände, der noch T2 ist.





Ein Bild ist falsch drin – kriege ich nicht raus.
Unten in Altenberg bin ich wieder in einem Bergbaugebiet: Eisenerzabbau. Knappenhäuser im Dorf und auf dem Kriegerdenkmal ein Eisenerzblock, der zu 60-70 % aus Eisen besteht.

Ich komme erst kurz vor sieben in Neuenberg – an der anderen Seite des Eisenerzberges – an. Die Wirtin in der Pension telefoniert rum, es gibt kein Abendessen mehr. Sie macht mir einen fulminanten Brotzeitteller. – Und jetzt gehe ich zum Frühstück. Servus!


Puh Michael, schon vom Lesen habe ich feuchte Hände bekommen. Das war ein spannender Tag! Da hast Du sicherlich ein paar Kalorien verbrannt und Dir den Brotzeittellet verdient. Bleib achtsam!
elsbrocken werfen kommt mir bekannt vor. Zum Glück war kein Kletterpartner in der Nähe.
Bei TikTok werfen übrigens Hunderte Typen große Steine von Brücken, der Hashtag #ThrowingRocks hat bereits über vier Millionen Views gesammelt. Vielleicht der Beginn eines neuen Projekts? 😉 Wie Marion schon schrieb, bleib achtsam 👍
Hihi, den Zangengriff habe ich extra vorher eingeschlagen;-)
Ich versuche auch in deiner versprochenen Route keine einzubauen, versprochen!! ☝🏼
Pass gut auf dich auf Micha, immer schön vorsichtig!!