19,4 km, 1797 auf, 798 runter, 9:15
Frühstück gab es im Lebensmittelladen in der Sitzecke mit Kaffeemaschiene dort. Frau Dallinger versorgt mich bestens. Und sie packt mir eine Vesper ein, die keinen Hunger erwarten lässt, selbst wenn ich im Wald übernachten muss.

Kurz nach acht breche ich auf. Es geht bergauf, bergauf, bergauf. Zuerst auf Forstwegen. Eigentlich hasse ich die aus den deutschen Mittelgebirgen. Auch hier sind sie nicht schön, aber die Steigung ist moderat und man kann einfach ausschreiten, ohne dass man groß auf seine Füße schauen muss. Dann auf einem Pfad bergauf, ein schöner Weg durch den alten Wald. Der dritte Abschnitt wird alpin. Es geht an dem Nordabbruch des Lugauers bergauf über Schotter, über rutschigen Kies oder über Blockgröße Kalksteinbrocken. Mir fällt auf, dass viele scharfkantige rote Steine auf dem Weg liegen – ist das die Ernte durch Steinschlag den Winter über oder muss ich auch jetzt noch damit rechnen.

Ich komme ziemlich mühselig auf den Sattel auf gut 1.800 m. Den Lugauer, den Hausberg von Radmer zu besteigen, habe ich keine Lust und mir läuft die Zeit davon. Etwas undeutlich geht es eine Alm hinunter, dann wieder auf Forstwegen bergab, bis neben diesem Tal ein neues Tal sich öffnet in das es – natürlich – bergauf hineingeht zur Sulzkaralm. Obwohl ich mich jetzt daran halten und alle zwei Stunden eine Pause mache und essen: Ich leide ziemlich im Aufstieg. Endlich bin ich auf der Alm. An einer verlassenen Hütte mache ich Pause und esse zwei Bananen und drücke mir eine Tube Kohlehydrate in den Mund. Aus gutem Grund. Deutlich ragt am Ende des Tals eine Wand über der Alm auf. Oben drauf im Sattel ein Kreuz. Da muss ich noch hoch.

Hoch zum Sulzkarhund (1.822) – einem riesen Steinbrocken in dem grünen Wall, der allerdings in der Tat mehr wie ein Frosch aussieht. Prinzipiell ist der Aufstieg einfach, aber im oberen Teil ist es so steil, dass in der braunen Erde alles abrutscht, Steine, die eigenen Füßen.
Oben steht ein Marterl. Das finde ich angemessen. Bei Nässe möchte ich hier nicht hochsteigen müssen. Und auch so hat es mir gereicht. Sich dort oben bedanken, dass man es heil geschafft hat, finde ich angemessen. Aber mir leuchtet das Bildprogramm für diese Marterl nicht ein. Warum immer der sterbende Jesus am Kreuz? Warum nicht der auferweckte? Dank für Schutz und Bewahrung kann ich kaum mit dem Leidenden verbinden, der am Kreuz ermordet wurde – nicht oben am Berg. Tatsächlich treffe ich am nächsten Tag auf einen mit ausgebreiteten Armen segnenden Jesus. Passt besser.
Der Abstieg ist kurz und entgegen der Weg Planung in der App bleibt der Weg zur Hesshütte auf einer Höhenlinie – neuer Weg, kein Aufstieg mehr!
Leckere mediterrane Pasta zum Abendessen. Am Nebentisch zwei Elternpaare und drei jugendliche Kinder, die sich drei Tische entfernt niedergelassen haben. Sie machen den „Hüttenweg“ durch das Gesäuse. Eine Mutter organisiert den Weg und fragt die Wirtin nach der Schwierigkeit eines Weges. Das ist ein A-Klettersteig, aber „niemand geht dort mit Klettersteig-Set“, sagt die Wirtin. Die Mutter bleibt unsicher. Ich finde, wenn sich unsicher ist und sich fürchtet, soll man Füße und Hände von einem Klettersteig lassen.

