31,5 km, 274 hm rauf, 786 hm runter, 6:28 reine Gehzeit
Der Wetterbericht bleibt sich treu: Regen und sonnige Abschnitte. Es beginnt mit zwei Stunden Regen und kaltem Wind.
Neuerdings gibt es Warnhinweise im Wald, wenn ein Stein im Weg liegt:

Aber der Weg führt am Talrand im Wald entlang, bleibt auf einer Höhe, bis sich die Aussicht öffnet und unter mir die Almen liegen. Teilweise über Asphalt hinunter zu einem überraschend interessanten Brunnen für Wanderer und Radfahrer:

Dann geht es auf dem alten Talweg von der Alm sehr schön weiter hinunter bis kurz vor Radenthein. Und es ist fürchterlich heiß, schwül und drückend.

In Radenthein gibt es Industrie, einen ziemlich großen Komplex, der fast das Tal ausfüllt, der Magnesit verarbeitet. Die Lastwagen zum Be- und Entladen aus allen europäischen Ländern standen Schlange. Magnesiumcarbonat – das kann man Sintern und daraus entweder sehr hitzebeständige, feuerfeste Steine herstellen (für Hochöfen) oder sehr gut wärmespeichernde (Nachtspeicheröfen). Das also aus Radenthein!
Nach der Umleitung über die Bundesstraße – deshalb kam ich an der Fabrik vorbei – geht es wieder am Fluss entlang Richtung Döbriach am Millstätter See.
Tourismus hat den Vorteil, dass es geöffnete Gasthöfe gibt und ich nicht, wie am Tag zuvor an der Straße vor einer abgerockten, geschlossenen Pizzeria Pause machen muss. Penne mit Pesto und Süßbrause.

Um den Millstätter See führt ein Wander- und Fahrradweg auf dem ich flott vorankomme. Dann beginnt der Aufstieg auf die Hügelkette die den See vom Tal trennt, in dem Spittal liegt. Die Hitze wird noch drückender.

Aber ich weiß, wo ich hin will: Der Intersport an der Ausfallstraße nach Villach – ich werde ja schon verdächtigt, dass ich Werbung für die mache, so oft hier in den letzten Tagen von denen die Rede ist. Jetzt habe ich allen Grund dafür:
Verschwitzt, mit Rucksack steuere ich auf die Schuhabteilung zu, entschuldige mich für meine nicht mehr kulturfähige Kleidung: „Jeden Tag Regen und nasse Schuhe!“ – Aber da gerate ich an den Falschen. „Wir hatten keinen Schnee und bis Mitte Mai keinen Tropfen Regen. Das sag ich dir als Bergbauer: Das langt noch lange nicht.“ Und er zeigt mir auf seinem Handy eine 250 l-Tränke, die er für seine Kühe gebaut hat – aber die Feuerwehr musste hochfahren, um sie mit Wasser zu füllen. Andere Bauern hätten Helikopter gemietet, um auf die Almen Wasser zu bringen. Vielleicht habe ich deshalb so wenig Vieh hoch oben auf den Almen gesehen – das Wasser reicht nicht.
Der Spittaler Intersport Schuhspezialist ist Nebenerwerbsbergbauer – was Christoph als Erklärung im Kommentar geschrieben hat.
Zu den Schuhen. Er hätte schon tausend von den La Sportiva TX 4 verkauft. Er schaut sich die nassen, stinkenden Schuhe genau an, stellt fest, wo überall Abrieb zu sehen ist, der nicht sein sollte und fragt: Ich antworte, das ich gemütlich seit 15. Mai durch die Alpen schlenderte. Er will La Sportiva sagen, dass sie auch für Power Nutzer Wanderschuhe machen sollen.

Ich habe alle verfügbaren Schuhe durchprobiert und der meinem Gefühl nach härteste Schuh ist von Salewa und bei dem ist der dämpfende PU-Schaum durch einen härteren Rand besser geschützt. An der Stelle sind die alten Schuhe durch die Schnee- und Geröllfelder – ja, so etwas gibt es in den Bergen – aufgerieben worden. Ich hätte ja auch höhere, über die Knöchel reichende Schuhe genommen, aber meine Achillessehne reagiert jetzt schon sehr gereizt. Das ist das Erbe vom Marathontraining in meinen Vierzigern und Fünfzigern – irgendwann macht sich der Verschleiß bemerkbar.
Und das Beste. Als ich ihn nach einem Bus frage – denn auf der Ausfallstraße sind es noch gute vier Kilometer bis ins Zentrum: „Warte eben, um 16 Uhr habe ich Feierabend und nehme dich mit in die Stadt.“
Als meine Füße das hörten, haben sie gefeiert. Ich kaufe nur noch bei Bergbauern meine Schuhe!

