Karnischer Höhenweg, Nassfeld – Zollnerseehütte

Alpenüberquerung Wien – Nizza, 16.06.26

24,8 km, 946 hm rauf, 1.122 hm runter, 8:26 h

Eigentlich fing der Tag mit einem guten Frühstück an. Dann entdeckte Christoph, dass die Seilbahn nebenan zur Madritschen hochfährt, gut 500 Höhenmeter. Mit der Bahn umgehen wir den ersten Anstieg, was uns im Rückblick den Tag gerettet hat.

Um von der Seilbahn zum Karnischen Höhenweg zu kommen, mussten wir etwas basteln, was auch daran lag, dass ich große Schwierigkeiten hatte, die Karte mit dem überein zu bekommen, was ich vor mir sah.

Endlich sind wir im Gebirge angekommen und es geht durch ein erstes Blockfeld zum Rudnicksattel.

Dort treffen wir ziemlich aus dem Bauch – und weil die App neben dem Karnischen Höhenweg am Hang entlang als „Südalpenweg“ und „Kärtnergrenzweg“ und „E10“ einen Weg durch das Tal mit ungefähr gleichen Höhenmeter anzeigt, die Entscheidung, durch das Tal zu gehen. Zwei Kletterer gehen auch den Weg und zwei italienische Wanderer.

Trotzdem finden wir schon den Abstieg in das Tal nicht auf Anhieb. Dann aber wird der Weg im Tal wunderschön. Genau in der Talmitte stößt die Kalkdecke der Berge auf der linken Seite auf die uralten Tiefseeschiefer (etwa 380 Mio. Jahre alt) der Berge auf der rechten Seite. Aber wir müssen aus dem Tal raus und steigen zu einer verlassenen Alm auf zu einem Sattel, der die Grenze zwischen Österreich und Italien darstellt. Noch drei Serpentinen auf einem Forstweg und dann zeigt die App an, dass jetzt unser Weg rechts abgeht. Aber da ist kein Weg, sondern ein weites Feld kniehoher wasserliebender Botanik. Da es sich bisher als sinnvoll erwiesen hatte der App und dem GPS zu vertrauen, wollte ich in dieses Feld hinein. Ich erinnere mich gut, wie an einer Steilstufe auf einer Alm Latschen alles verdeckten, aber das GPS direkt durch eine Latsche führte und sofort nach der Latschen eine Wegmarkierung war. Also in das nasse, matschige, grün überwucherte Feld hinein, Handy in der Hand und stur vierhundert Meter durch die Botanik. Tatsächlich treffe ich auf einen ansteigenden Pfad. Nach weiteren 400 m ist der Pfad weg, der vielleicht nur ein Wildwechsel war. Wir stehen vor einem fast undurchdringlichen Latschengürtel. Wir finden kleine Bäche und folgen ihnen aufwärts, kriechen unter den Latschen durch oder versuchen auf die dicksten Äste zu steigen und uns durch das Grün zu zwängen.

Oberhalb von uns muss der originale Karnische Höhenweg sein – laut GPS. Allmählich – Wasser in den Schuhen, Schrammen an den Beinen, Latschennadeln unter der Kleidung und aus dem Gesicht tropfender Schweiß – haben wir eine Ahnung, wo wir auf den Karnischen Höhenweg treffen könnten. Aber der „Karnische Grenzweg“? Wahrscheinlich haben die Kärntner das mit der europäischen Einigung sehr ernst genommen und ihren „Grenz“-weg als unpassend und engstirnig empfunden und von der Natur überwuchern lassen.

Nach 180 hm Anstieg im skandinavischem Wild-Style sind wir über eine Stunde hinter der geplanten Zeit und völlig erschöpft und kommen auf einer kahlen, windigen Kuppe auf den Karnischen Höhenweg.

Ich schrecke auf dem Weg über etliche Sättel eine kleine Schlange auf – wir werden in den nächsten Tagen noch auf zwei weitere mit dieser Zeichnung treffen.

Unsere Hoffnung ist jetzt die Straninger Alm, wir brauchen zu trinken und etwas zu essen. Wir sitzen dort zwischen E-Bike- und Geländemotorrad- Fahrern – sie schauen uns etwas entgeistert an. Wir sehen auch nicht mehr so ganz kulturfähig aus.

Von der Alm schaffen wir den Aufstieg auf einem schönen Pfad, dann unter dem Findenigkofel ziemlich ausgesetzt in der Wand den Weg zum Zollnersee. Und dann noch einmal hinauf zur Zollnerseehütte unter der Hohen Trieb (2.196 m).

Die Wirtin, war etwas besorgt, weil wir so spät ankamen – sie hatte schon versucht uns telefonisch zu erreichen – aber wir hatten keinen Empfang. Christoph konnte abends die berühmten, hoch gelobten Zollnerseehütten-Knödel nicht mehr essen. Wir waren fertig.

Ein Kommentar

  1. Au weia, das Blockgelände sah ja noch reizvoll aus. Aber durch die Latschen klingt heftig. Ich hatte auch mal das zweifelhafte Vergnügen, und da ich mich nach den Latschen nicht weiter getraut habe durfte ich auch wieder zurück durch die Latschen. Nun denn, ihr seid immerhin durchgekommen.

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