Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 4.11, 04.07.26
18,7 km, 746 hm rauf, 1.437 hm runter, 6:21 h
Wir sind Müsli fixiert . Als also alle anderen – und das waren Scharen – an den Brötchen anstanden, sind wir schnell an ihnen vorbei zum Müsli geeilt, weil die Müslischalen für uns zu klein waren, haben wir gleich zwei gefüllt und sind mit dieser Beute an unseren Tisch. Die Hütte ist voll belegt und die Schlange reicht durch den Flur bis zum Hütteneingang – auch noch nach einer halben Stunde. Also haben wir Müsli gegessen, auf Brötchen und Croissant verzichtet und sind los.
Von der Hütte geht es gesichert den Anstieg zur Molignonscharte hoch (2.604). Wir wären noch schneller oben gewesen, wenn wir uns nicht hätten davon überzeugen wollen, dass ein Foto, das im Speisesaal hängt, stark mit Photoshop bearbeitet worden ist. Ich war überzeugt, dass es nicht möglich ist, dass am Morgen Licht auf die Hauswand der Hütte fallen kann, weil die Sonne nicht die Hauswand bescheint. Als wir die Stelle erreichen, von der das Foto gemacht wurde, müssen wir eine Weile rumprobieren. Aber erst Zuhause werden wir sehen, ob unsere Hypothese richtig ist. Das Foto ist ja nicht schlecht, zeigt die Hütte vor den Rosszähnen im Morgenlicht – aber es wirkt doch unnatürlich, dass die Hüttenwand so weiß strahlt und das Hüttendach so rot, damit auf dem großen Foto, die Hütte als erstes ins Auge fällt.

Weiter hoch. Der Blick in den Grasleitenkessel ist überwältigend. Von oben sieht man den Ausgang zur Grasleitenhütte nicht, sondern nur die Felswände, die diesen mit Schutt gefüllten Kessel umschließen. Der Abstieg auf etwa 2.340 m ist anspruchsvoll. Zwar ist seit meinem letzten Besuch mit B ein Weg angelegt worden mit Stufen und Stützmauern gegen den Schutt – was die Steinschlaggefahr stark verringert. Aber es ist sehr steil und manches Mal rutschig, selbst bei Trockenheit (T3). Wir müssen aber nicht ganz runter bis zum Ausgang aus dem Kessel, sondern queren am Hang und steigen wieder hoch zum Grasleitenpass mit der Grasleitenpasshütte auf 2.600 m.

Mir ist die Hütte als kleinste Hütte im Rosengarten in Erinnerung – mit den Kindern haben wir in der Kälte dort eine gute Schokolade getrunken, das müsste 25 Jahre her sein. Damals war die Hütte schnuckelig klein, vielleicht 12 Betten. Jetzt ist sie wie fast alle Hütten modernisiert und stark erweitert. Die heiße Schokolade kann man nach wie vor wahlweise trinken oder mit dem Löffel essen.

Die morgendliche Stille ist vorbei. Die Klettersteiggeher stehen sich fast auf den Füßen, um in die Steige zu kommen und immer mehr steigen von der Vajoletthütte hoch.
Wir sind zügig unterwegs, nach 2:13 waren wir oben, nach einer guten halben Stunde geht es hinab zur Vajolethütte. Und begegnen auf dem breiten Weg Bergwanderern und Kletterern die in Dreier- und Viererreihen den Weg hoch kommen. Bisweilen ist es schwer einen Platz zu finden, um bergab zu gehen. An der Vajolethütte (2.251) tobt der Bär. Das Rote Kreuz hat einen Stand, mißt Blutdruck und Sauerstoffsättigung der aufgestiegenen Wanderer als Herzinfarkt Profilaxe. An der Hütte wird für Nahrung angestanden, es wird gepicknickt und vor allem gesonnt.

Wir müssen noch etwas runter und biegen nach kurzer Kletterei auf einen Weg rund um den Rosengarten zum Passo Jouf de la Zigolade (2.552) und zur Rotwandhütte. Ein schöner Weg, wären da nicht die Erosionsrinnen, die sich bei jedem Starkregen immer steiler und höher in den Hang fräsen. Der Weg muss dann noch höher ansteigen, um weiter oben möglichst einfach durch die Rinne aus loser Erde, Schutt und Steinen zu queren. Das sst ziemlich unangenehm. Vor zwei Jahren war nur eine Rinne so tief, dass sie mit einem Seil gesichert werden musste, jetzt sind es schon zwei seilversicherte – und es sind mehr Rinnen als vor zwei Jahren. Auf der anderen Seite zur Rotwandhütte hin ist es leichter. Wir ärgern uns, dass wir nicht zum Pass auf- und abgestiegen sind. Einen Vater mit Kind treffen wir nach unserer Umrundung vor uns wieder – wir wären über den Pass also schneller gewesen.
Aber die Aussicht auf unseren Weg durch die Dolomiten zurück, war grandios. Die Sella mit der Boespitze:

An der Rotwandhütte noch das mittlerweile obligatorische Zuckerwasser, Christoph braucht wie immer einen Strudel dazu. Dann steigen wir anfangs gemütlich durch einen Lärchenwald hinab zum Karerpass.

