Dolomiten, von der Sella zum Rosengarten, Valentini Hütte – Tierser Alpl Hütte

Alpendurchquerung Wien – Nizza, WN 4.10, 03.07.26

12,7 km, 564 hm rauf, 317 hm runter, 3:26 h

Nach dem großartigen Abendessen gestern noch einmal das Frühstück genießen: Müsli soviel man will, frischen Obstsalat. Dann machen wir uns nach dem Ruhetag ein wenig steif auf den Weg. Die Schuhe sind steif, nachdem sie getrocknet sind, genauso wie die Klettersteighandschuhe mit denen ich in den Stöcken gehe. Der eine Stock, dessen Spitze am Piz Boe verlorengegangen war, ist repariert. Der Rucksack fühlt sich schwer an, die Muskeln sind steif und es ist kalt draußen. Der Himmel lässt zwar noch das Blau erkennen, aber die Wolken, die sich aus Nordosten heranrobben, könnten auch Regen bringen. Die Wetterberichte, die einen sonnigen Tag versprochen haben, liegen schon wieder falsch.

Der Weg ist leicht und er bietet viel Aussicht: Zurück reicht der Blick bis zum Monte Pelmo im Süden – da kommen wir her.

Und natürlich das Langkofelmassiv, jetzt mit dem Plattkofel im Vordergrund. Im Norden die Geislerspitzen, die Seiser Alm liegt rechts unter uns. Vom Rosengarten sehen wir die Rückseite vor uns.

Christoph entdeckt Pustertaler Prinzen auf der Weide – für Rheinländer muss man erklären, dass das keine Karnevalsjecken sind, sondern Kühe. Die sehen lustig aus mit dem senkrecht stehenden Haarbüschel zwischen den Hörnern.

Dann treffen wir auf drei Archäologen, die ein jungsteinzeitliches Lager auf der Seiser Alm Schneid untersuchen. Der Platz ist ideal, über 2.200 m hoch, nach vier Seiten kann man in Täler blicken, das Wild steht immer tiefer – außer die Gämsen im Rosengarten Fels, die können nach oben flüchten. Vor 10.000 Jahren war das ein Jagdlager im Sommer, die Feuerstein Abschläge und Klingen belegen das.

Dann gibt es wieder Gestein für’s Auge. Zwischen den Kalkmassiven des Lankofels und des Rosengartens liegt vulkanisches Gestein. Deshalb ist dieser Zwischenbereich so feine fruchtbare Alm. Eine Lage schwarz gesprenkeltes, weißliches Gestein, darunter Basalt. Woraus dieses gesprenkelte Gestein ist, wüsste ich gerne.

So sieht das Gestein aus, wenn es verwittert. Aber wenn es frisch abgeschlagen ist so:

Im Abhang hinunter zur Seiser Alm bilden sich interessante Erosionsformen: Türme.

Um halb eins sind wir auf der Hütte und bekommen ein Sechser Zimmer neben der Toilette – und das an einem Freitag. Hoffentlich lassen sich viele vom unsicheren Wetter abschrecken und wir haben unsere Ruhe – meine Socken habe ich als olfaktorische Abwehr vorsichtshalber über dem einzigen Stuhl ausgebreitet.

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