Rifugio Zoia – Rifugio Sasso Nero im Valmalenco, Lombardei

Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 5.13, 22.07.26

17 km, 540 hm rauf, 1.049 hm runter, 4:31 / 5:16 h

Weil ich kein Quartier in Chiareggo bekommen hatte, musste ich mir eins weiter unten im Tal suchen: Chiesa di San Giuseppe. Also eine kurze Strecke heute, dafür morgen eineinhalb Stunden länger den Aufstieg aus dem Tal, um zum Maloja Pass zu kommen.

Der Abstieg von der Rif Zoia war so steil, dass er teilweise betoniert war. Dafür führte er spektakulär unter überhängenden Felsen lang, Dann fand ich wieder eine heimlicheren Weg der runter zu Alpe Campascio führte.

Von da noch ein Stück am Fluss und den Berg hinauf.

Dann aber – das Grauen schlechthin – auf einer Skipiste steil bergauf. Mir kam eine Gruppe von Wanderern entgegen und ich fragte mich, wo die noch hinlaufen wollen – denn kurze Wanderungen sind das in diesem Gebiet nirgends. Vielleicht werden sie abgeholt.

Weil ich die falsche gpx-Datei auf die Uhr geladen habe, fehlt mir heute die Navigation am Handgelenk. Und prompt verpasse ich eine Abzweigung von der Piste – dafür entdecke ich einen schönen alten Weg fast auf einer Höhe am Hang, mit dem ich wieder zum Weg aufschließe. Ich mache eine Pause mit dem letzten Stück Käse von der Alm aus dem Aufstieg zum Cancano Stausee. Aber in Poschiavo hatte ich schon ein neues Stück Käse gekauft  für morgen!

Der Abstieg von der Bocchet del Torno ist übel. Nebenan kommt ein Bach herunter, der wohl bei Hochwasser auch den Abstieg ausspült. Weite, das heißt tiefe Abstände, rutschige Steine. Zweimal werfe ich die Stücke runter und klettere auf dem Hintern ab. Aber mir kommen Gruppen von Wanderern entgegen. Der Weg wird besser und bald komme ich zum Lago Palù. Jetzt runter nach S. Giuseppe. Die Fährstraße ist in den steilen Stellen betoniert und in den Beton sind Platten aus Serpentin eingelassen. Das sieht ganz schön aus, der grün-blaue Serpentin im Beton.

Serpentin – es gibt schon erstaunliches Gestein!

Gestern war mir schon im Abstieg zur Rif Zoia aufgefallen, dass der Weg mit frischgebrochenen Steinen ausgebessert war und diese Steine an den Bruchkannten tief blau-grün waren. Auch der Kletterfelsen ist aus diesem Serpentin gewesen – obwohl man dort wegen der Verwitterung die Farbe nicht sehen konnte. Aber überall dort, wo Wanderer mit ihren Schuhen die Verwitterungsschicht abgeschmirgelt haben, glänzt der Stein grün-blau – und ist ziemlich glatt. Von der Hütte aus konnte man im Tal zwei kleinere Steinbrüche sehen.

Serpentin ist eine ganze Gruppe von Mineralien, aber eigentümlich sind sie alle. Serpentin hat eine Kristallstruktur: Eine Schicht von Tetraedern wechselt sich ab mit einer Schicht Oktaedern. Tetraeder und Oktaeder? Wer kommt auf solche Idee, lag mir auf der Zunge.

Vor ein paar Jahren, als mein Sohn Abitur gemacht hat, war das „Oktaeder des Schreckens“ Mathe-Aufgabe und ich dachte damals, wer kommt auf eine solche realitätsfremde Aufgabe!

Ich hoffe, kein nordrhein-westfälischer Mathelehrer entdeckt Serpentin und kombiniert eine Ebene Tetraeder mit einer Ebene Oktaeder und hat eine herausragende – aus der geologischen Realität gegriffene – Mathe-Abituraufgabe.

Wenn Serpentin frisch im Steinbruch gebrochen wird, dann ist er noch „bergfeucht“ und lässt sich in Schindeln spalten mit denen hier die Häuser gedeckt werden. So wie bei uns im Bergischen die Häuser mit Schiefer. Deshalb wohl die kleinen Steinbrüche.

Der Serpentin auf den Wegen verwittert zu kleinen Plättchen – sehr angenehm darauf zu gehen!

Ich finde einen sehr schönen Abstieg nach S. Giuseppe, malerisch durch Lärchen und Tannen und die Füße im Abstieg sanft gebettet auf den Nadeln.

Als ich unten ankomme beginnt das Chaos. Booking legt meine Unterkunft in der Wegbeschreibung neben den Parkplatz. Da ist aber kein Sasso Nero! Ich suche und steige wieder auf. Mittagszeit alles leer. Ich gehe an einer Reihe verriegelter Ferienhäuser vorbei. Endlich begegnet mir ein Mensch: Das Rifugio Sasso Nero ist nicht in „Chiesa S. Giuseppe“, sondern in „Chiesa S. Giuseppe, Valmalenco – Fraz. Prati Predana“ – ziemlich weit oben. Ich hätte viel kürzer direkt dahin absteigen können. Der Wirt erklärt mir, dass Booking in der Maske, in der man die Adresse einträgt keinen Platz für diese italienische Präzision der Ortsangabe lässt. OK! Er stellt mir Chips und Erdnüsse auf den Tisch.

Aber dorthin muss ich heute Abend noch einmal runter, denn nur dort hat eine Pizzeria offen.

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