Val Poschiava, Graubünden – Valmalenco, Lombardei: Poschiavo – Rifugio Zoia

Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 5.12, 21.07.26

17,7 km, 1.618 hm rauf, 603 hm runter, 5:57 / 7:10 h

*** Der schönste Aufstieg und Abstieg bisher ***

Schlechtes Wetter war vorhergesagt und der Tag weckte mich mit Gewitter und laut rauschendem Regen. Ich bin erstmal duschen gegangen. Das Frühstück mit Früchten, Müsli und zwei Eiern war gut. Aber als alles fertig gepackt ist, geht der nächste Schauer nieder und es donnert wieder.

Ich habe bis 9:00 Uhr gewartet und bin dann los, obwohl es noch tröpfelte. Kaum war ich aus der Stadt raus, begann ein wirklich schöner Weg.

Es fing aber wieder an zu regnen. Trotz des Regens waren die Bremsen hartnäckig. Deren Biss tut richtig weh. Deshalb merkt man es – anders als bei Mücken. Zwei habe ich erwischt. Ich entscheide, mit wem ich  mein Blut teile. Der Weg ist weiterhin schön!

Auf den alten, steilen Wegen kommt man natürlich schneller nach oben. Die erste Sonnenterasse war die Maiweide für die Rinder, bevor sie Juni, Juli auf die oberen Almen geführt worden. Die Bauern haben sich nicht nur Almhütten, sondern feste Häuser gebaut und eine reformierte Kirche. Sechs Tage hart arbeiten und am siebten wird auf die Bibel gehört und gebetet. Das reicht. Beides, das Arbeiten und das Beten. Die reformierte Mentalität und Kultur leuchtet mir von allen christlichen am meisten ein.

Der Weg ist schön, weil die Landschaft alle paar Minuten etwas Neues bringt. Auf jeden Stufe, Bäche und Wasserfälle, mehr als man fotografieren mag. Die Geländestufen sind zwar dank der eiszeitlichen Gletscher steil, aber mit Lärchen und Tannen bewachsen und überall Blumen. Eine Alm hat wieder die Wolfszäune, um ihre Schafe zu schützen. Die Esel machen Pause, einer wälzt sich genüsslich von rechts über den Rücken ganz auf die andere Seite: Rolle seitwärts.

Solange von den Stufen noch ein Wasserfall mit lautem Getöse runterrauscht, ist mir klar, kann auf der Stufe noch nicht der Pass sein – zumal zwei Pässe verschiedene Täler anschließen. Auf jeden Stufe sind jetzt Seen.

Endlich erreiche ich den Pass di Cancian, 2.488 m. Der Himmel ist schwarz, es donnert und fängt an zu regnen. Es nützt nichts in dem kalten Wind zu lange zu warten – ich gehe weiter.

Von einem Berg auf dem noch ein Restgletscher zu erkennen ist, kommt ein Wasserfall runter gedonnert. Und zwischen den beiden Pässen sind das jetzt vier Seen.

Schade ist, dass der Piz Bernina in den Gewitterwolken nicht zu erkennen ist. Der einzige 4.000er der Ostalpen.

Es donnert noch immer als ich zum zweiten Pass aufsteigen, Passo di Campagneda, 2.615 m. Was soll ich machen? So schnell als möglich runter. Der Abstieg ist genauso schön wie der Aufstieg. Kraxelei über Gneisplatten – und plötzlich ist auch wieder Kalk dabei.

Das ist kein Gold, aber Eisen.

Es scheint mir, als ob die Donner nach links auswandern. Obwohl, über mir ist es noch immer grau-schwarz. Als ich auf die Almen runterkomme, ist das Gewitter tatsächlich nach links abgewandert. Aber im Tal rechts ist alles schwarz. Tempo. Ich will nicht nochmal nass werden.

Ich denke, ich habe mich vertan: Da ist tatsächlich ein Klettergarten über dem Refugio Zoia. Alles nicht meine Kragenweite, aber probieren würde ich es schon gerne. Es sieht sehr definiert aus: Den Griff und dann den, sonst kommst du eben nicht da hoch. Aber gut abgesichert sind die Routen!

Das ist eine Luxushütte – eigenes Zimmer mit eigener Dusche. Ich bin glücklich. Die Schreckensnacht auf der Rif Malghera steckt mir noch in den Knochen.

Heute habe ich endlich alle Unterkünfte bis zum Lago Maggiore – aber ich muss noch einiges umplanen. Manche Etappen werden jetzt richtig lang.

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