Dolomiten Abschied – Schiederalm – Kohlern / Bozen

Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 4.14, 07.07.26

20,6 km, 434 hm rauf, 1.007 hm runter, 4:23 h

Ja, Abschied von den Dolomiten und Abschied von Christoph. Drei Wochen sind wir zusammen über den Karnischen Höhenweg und durch die Dolomiten gelaufen. Haben lange, steile und ausgesetzte Wege überstanden und großartige Eindrücke gewonnen. Mir war das eine große Erleichterung, nicht alleine unterwegs zu sein. Nicht nur die Einsamkeit, sondern auch die Not alleine entscheiden zu müssen, an Wegkreuzungen, was machbar ist und worauf wir besser verzichten. Allein bleibt immer die Unsicherheit – war das falsch, war das unnötig? – zusammen entscheiden gibt Sicherheit und macht einfach auch dann Spaß, wenn es falsch war. Dann kann man gemeinsam darüber schimpfen oder lachen – als wir eine halbe Stunde falsch abgestiegen waren und wieder hoch mussten. Allein ist so ein Fehler nur bitter. Ja, Christoph wird mir fehlen. Und heute, von meinem Urlaub zurück auf dem Weg nach Bozen, fühle ich schon wieder diese Unsicherheit herankriechen: Keinen Fehler machen, nicht stolpern, auf Sicherheit achten, nichts liegen lassen oder auf der Hütte vergessen und ist genügend Verpflegung und vor allem Wasser eingepackt? – Allein zu gehen ist einsam.

Okay, zurück: Auf der Schmiederalm hatte Christoph noch Zeit, weil er an einem halben Tag nicht zurück nach Hause kommt. Ich musste ja nur nach München.

Also bin ich um zehn vor vier aufgestanden um kurz nach vier noch im Dunkeln losgelaufen. Mit Stirnlampe auf breitem Weg durch den Wald, Gott sei Dank machte der weiße Dolomit Schotter es leicht schnell voranzukommen.

Ein bisschen komisch war es schon durch ein ehemaliges Kloster, Maria Weißenstein, zu laufen, wenn alle noch schlafen. Und auch in Deutschnofen ist mir nur ein Auto entgegen gekommen und zwei Hunde haben meine Anwesenheit verbellt. Dann ging die Sonne auf und es wurde etwas wärmer.

Eine Pause brav nach zwei Stunden. Dann ein Reh, das 30 Meter neben dem Weg stand und mich etwas irrtiert anschaute, dann aber friedlich weiterfraß.

Als es vor Bozen noch einmal hoch ging und der Weg – ein alter gepflasterten Verbindungsweg – richtig Mühe machte, weil die Porphyrsteine kreuz und quer lagen, in einem matschigen Stück Pfotenspuren, von denen ich mir vorstellen kann, dass das Wolfspuren sind – und ziemlich große, kräftige. Aber der Wolf wird wohl als es noch dunkel war vor mir unterwegs gewesen sein.

Der Blick zurück noch einmal großartig: Der Rosengarten und Karerpass, dann die Latemargruppe und der Weißkogel und im Westen die Brenta mit vielen Schneefeldern. Wehmütig blicke ich zurück. Da sind wir lang gegangen. Die Brenta haben wir abgesagt. Ob ich jemals noch einmal diese Berge wiedersehen werde? Ich bin halt alt – und nicht alles, was ich gerne noch  möchte, wird möglich sein.

Kohlern endlich nach einem mühseligen Abstieg über Porphyr Schrott.

Die Seilbahn in der 20-Jahr Revision. Ich muss eine Dreiviertelstunde auf den Bus warten. In Bozen habe ich noch Zeit mir ein Eis zu kaufen. Die Bedienung will partout kein Deutsch, nur Italienisch sprechen – in Bozen! Das Eis schmeckt trotzdem.

Dann in den Zug. Die ÖBB kann Verspätung auch. Die Lok kaputt und Lokwechsel in Innsbruck und dann fehlt das Personal, das – keine Ironie – in einem anderen verspäteten Zug feststeckt. Aber meine Frau hat auch ordentlich Verspätung. Dann kann endlich unser Urlaub von der Alpenüberquerung beginnen. – Zu kurz natürlich. Ich sitze schon wieder im Zug nach Bozen.

Ein bisschen zuviel Abschied gerade. Wir wissen nicht, ob es Sinn macht, dass wir uns noch einmal treffen bevor ich Nizza erreiche. Bellinzona wäre der letzte Ort, der von Deutschland noch gut erreichbar ist oder von dem wir uns etwa in Basel treffen könnten. Der Weg in die Französischen Alpen ist sehr weit – über Paris. Ich wusste gar nicht, dass das obere Aostatal, Curmayeur, gar keinen Bahnanschluss hat; ohne Bus kommt man da nicht hin.

Es ist ganz schön lang, vier Monate weg und unterwegs zu sein.

Ein Kommentar

  1. Ich lese gerne deine Reiseberichte – und ich bin davon überzeugt dass du nie zu alt zum Reisen sein wirst.. auch wenn sich die Art des Reisen möglicherweise mit zunehmendem Alter ändern wird. Danke fürs teilhaben lassen

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