Dolomiten – Karerpass, um die Latemargruppe herum zur Schmiederalm

Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 4.12, So 05.07.26

28 km, 752 hm rauf, 834 hm runter, 6:55 h

Schon am Abend hatten wir überlegt, ob wir uns nach dem anstrengenden Hike durch den Rosengarten zutrauen, die Latemargruppe zu überschreiten. Unsere Stimmung war nicht euphorisch. Abends las ich in der Süddeutschen, dass ein 19-Jähriger in Berchtesgaden beim Queren einer Rinne 200 m abgestürzt und tot geborgen worden ist. Rinnen, diese Erosionrinnen hatten uns zu schaffen gemacht. Die Latemargruppe gilt als bröselig, weil sie nur aus Kalk – nicht aus Dolomit – ist. Ich konnte nicht schlafen und habe Berichte über die Überquerung gelesen und noch Mal den Weg durchgeschaut – heikle, ausgesetzte Kletterstellen T4. Am Morgen sind wir uns schnell einig: Das ist heute nicht unser Programm, die Überschreitung. Wir umwandern die Latemargruppe. Damit ist auch unsere Übernachtung auf der Rif Latemar / Pisa hinfällig. Christoph meldet uns dort ab. Lavazé Pass würde passen, wir finden dort aber kein Quartier. Es wird immer später. Schließlich die Idee bis zur Schmiederalm zu gehen – Anruf: Dort können wir einen Tag früher kommen. Um halb zehn kommen wir endlich los. Wir sind erleichtert. Die Überschreitung wäre zu viel gewesen. Mein rechtes Knie, gestern leicht lädiert, macht sich schon bei den Schritten zum Frühstücks Buffet bemerkbar.

Gemütlich wandern wir mit grandiosem Blick auf die Sella, den Rosengarten und auf den Alpenhauptkamm – und natürlich auf die Türme der Latemargruppe. Und wir schreiten ziemlich auf einer Höhe voran – gemütlich. Natürlich geht es irgendwann auch mal bergan. Aber es bleibt gemütlich. Und es ist ein schöner Weg, durch den Wald mit vielen Blumen. Bis wir – das wussten wir schon – die Latemargruppe verlassen. Da liegt ein tiefes Tal vor uns. Wir hatten uns entschieden nicht ganz bis nach Obereggen ab-, sondern zum Reiterpass hochzusteigen (1.994). Aber das war wirklich absurd. Skigebiet, größtenteils Asphaltstraße und dann, kaum sind wir oben, den Kopf und die Füße um 270 Grad wenden und wieder bergab, genauso steil wie wir gerade hoch gestiegen sind.

Und strafverschärfend: Aus der Latemargruppe raus kommen wir in den Bereich der Bozener Quarz-Porphyr Decke. Wege, Forststraßen werden mit dem Split geschottert, der regional vorkommt, das macht Sinn. Also Porphyr-Splitt auf den Wegen. Porphyr ist ein vulkanisches Gestein, vom Eisen rot gefärbt, so hart wie Glas. Und so fühlt es sich auch unter den Füßen an. Es knirscht. Dolomit Schotter knirscht auch, aber weicher, er ist auch elastischer. Porphyr ist hart, federt nicht und knirscht spitz, eisenhaltig, fast aggressiv. Wo es geht, weichen wir – und die anderen Wanderer – auf Waldboden oder Gras am Rand aus. So lernt man Dolomit Schotter lieben.

Aber dann wieder ein Pfad, der liebevoll mit Stützmauern, Steinplatten und Steinstufen renoviert worden ist.

Wir erreichen den Lavazé Pass (1.807), essen Makkaroni und ein großes Eis – warum die Bedienung mir Coke Zero bringt , ich will doch den ZUCKER, bleibt ein Rätsel.

Jetzt nur noch zur Schmiederalm, obwohl die tiefer liegt (1.673) geht es hoch. Das Weißhorn – der Held und Verursacher der Bletterbach-Schlucht vor uns.

Der Wald ist schön, ein wenig geheimnisvoll, und der Weg wird immer länger. Bergauf, bergab. Links von uns ist schon die Bletterbach-Schlucht zu erkennen, aber wir kommen nicht voran. Wir sind auf einem weißen – dank des Weißhorns – Dolomit geschotterten breitem Weg unterwegs. Plötzlich hört diese Straße auf und geht in einen dünnen Pfad über und steigt steil an. Die Bäume haben lange Bärte von Flechten und sind dicht bemost. Gibt es die Schmiederalm überhaupt? Oder ist das eine listige Spur – wie bei Hänsel und Gretel die Spur zum Hexenhaus?

Die App zeigt 2 km, 1 km, 800 m, 500 m, 200 m an – aber der Wald wird immer dichter und dunkler. 100 m, keine Alm zu sehen, nur Wald.

Dreißig Meter vor der Alm erkenne ich endlich ein Auto zwischen den Bäumen. Eine Steintreppe runter: Die Schmiederalm.

Leider hat Christoph einen Mageninfekt und mag abends nichts essen. Alles ist selbstgemacht – Brennnessel-Knödel und Löwensahn-Saft und das Fleisch von einer Kuh, die hinter dem Haus stand.

Blick aus dem Fenster ins Etschtal. Hinten die Brenta mit ziemlich vielen Schneefeldern.

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