Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 5.02, 11.07.26
19,3 km, 230 hm rauf, 387 hm runter, 3:53 h
Es hatte in der Nacht gewittert und Richtung Meran auch geregnet, aber als ich aus der Tür komme, ist es morgens schon heiß und schwül.
Zunächst geht es aus Völlan an der Straße raus, wenigstens auf dem Bürgersteig. Kaum ist das Ortsausgangsschild erreicht geht es links ab. Noch ein paar Meter asphaltierte Straße, dann unter einem uralten Kastanienbaum auf den alten Weg nach Lana, wieder ein alter Plattenwege auf dem man manchmal noch die Rillen erkennt, die die Ochsenkarren in den Stein geschliffen haben.

Es ist zum Aufatmen kühl im Wald. Leider endet der alte Weg in einer modernen Apfelplantagen hoch über Lana. Die restlichen 200 hm geht es durch die Plantagen steil auf Asphalt hinunter.
Die Häuser und die Altstadt sehen wohlhabend aus. Einige Villen aus der österreichischen Zeit stehen am Weg. 1906 gab es zu dem neuen E-Werk die erste elektrische Straßenbahn in Südtirol, Lana-Meran. Aber es gibt auch moderne Villen.

Ich meine, dass ich über dieses Haus schon etwas gelesen habe. Es schwebt auf Säulen über dem Weinberg – ob das praktisch ist? Wie bekommt man ein Sofa in das Haus?

Aus Lana raus geht es steil, sehr steil hinauf zu dem Beginn des Marlinger Waalweges, der die trockenen Felder mit Wasser aus der Etsch über einen 12 km langen Waal mit natürlichem Gefälle versorgt. Viele Abschnitte liegen im Wald, was mir jetzt richtig gut tut.

Da laufe ich gerade über den mit Platten abgedeckten Waal.

Das Wasser der Etsch wird in Töls abgeleitet und enthält viel Gesteinsmehl. Das ist nicht gut für Pflanzen und erzeugt unerwünschte Ablagerungen im Waal. Also wird versucht, das graue Gesteinsmehl in Absetzbecken zu verringern.

Ich muss mich entscheiden, ob ich dem Waalweg bis zum Ende folge oder wie die App vorschlägt, kurz über den Berg gehe und den Knick des Tals nach Westen abkürze. Die Kilometer gezählt ist es kürzer, aber 480 Höhenmeter. In der Hitze der Mittagszeit, 480 hm raufstratzen? Ich bleibe auf dem Waalweg.
Der ist in der Tat in dem letzten Abschnitt nicht mehr so schön – aber spektakulär. Der Weg ist abgesackt, da wird das Wasser in einem schwarzen Stahlrohr geführt und dann in Betonrinnen in Schulterhöhe. Das ist nicht mehr so heimelig. Dafür gibt es einen Blick auf die Vinschgaubahn, die gerade elektrifiziert wird – noch fahren Dieseltriebwagen. Zwischen zwei Kehrtunnel ist in einem kurzen Abschnitt im Freien trotzdem die spezielle Tunneloberleitung verbaut worden. Die ist nicht elastisch gespannt, wie die normale Kupferoberleitung, sondern fest montiert und braucht deshalb weniger Höhe – was sie für alte Tunnel, die niedriger sind, prädestiniert.

Auf dem letzten Stück haben die Erbauer des Waalweges das Wasser gewagt durch eine senkrechte Wand geführt. Aber – wahrscheinlich als das Etschwasser in Töls für das Kraftwerk abgeleitet wurde,

war kein Platz mehr für die Ausleitung des Waalwassers. So wurde ziemlich unromantisch das Wasser in einem Rohr durch den Berg geführt und die ganze Wandpassage ist trocken gefallen. So geht man reichlich spektakulär und ausgesetzt an der Wand entlang, aber in dem Kanal neben und unter dem Weg ist kein Wasser mehr. Außerdem stört der Lärm der Straße zum Reschenpass, besonders der Lärm der Motorräder.
Meran liegt längst hinter mir.

Danach laufe ich auf dem „Via Claudia Augusta“-Radweg nach Rabland.
Oh, ich habe die Waalglocke vergessen. Die ganze Waal-Anlage ist fragil und ich kann mir gut vorstellen, dass bei starkem Regen Geröll den Berg runterkommt und den Kanal versperrt. Deshalb ist ein Benachrichtigungssystem in den Waal eingebaut: Solange das Wasser fließt, gibt es einen beruhigenden Glockenton:

