WN 1.4 – Grünbach – Puchberg – Fischerhütte auf dem Schneeberg

Ich lasse den Nachtrag ein paar Tage hier stehen, bevor ich ihn dann richtig einsortieren.

23,6 km, 1725 hm rauf, 204 hm runter, 7 h (das glaube ich nicht, gefühlt waren es 12 h)

Am Morgen hat mich die Bedienung in der Schubertlinde auf dem Weg geschickt mit dem Wunsch: „Dann noch eine gute Wallfahrt!“ Denn tatsächlich bin ich auf dem Mariazellerweg unterwegs – zum Wallfahrtsort Mariazell. Sie hatte also recht.

Die App hatte vorgeschlagen bis zum Grünbacher Sattel der Bundesstraße zu folgen – ich wollte einen schöneren, etwas längeren Weg. Da konnte man gut die Bergmannshäuser, die Direktorenvilla und den „Neuen Schacht“ von Grünbach sehen. Als das Bergwerk in Betrieb war, stand dort mit Sicherheit kein Baum.

Über das Stichwort „schlendern“, das mein Freund und Kollege G in seinem Grußwort zum Abschied für sehr, sehr unwahrscheinlich gehalten hat:

Ich traf auf dem Weg eine Frau, die gerade in ihre Terrassenbete die zum Weg hoch stiegen, Tagetes pflanzte und da schoss aus mir raus, wie sie das macht, dass die Nacktschnecken die Tagetes nicht sofort auffressen? Sie antwortete sofort „Blaukorn!“ Ja, das wäre schade, aber sie wüsste auch nicht, was man sonst nehmen könnte, um die Pflanzen vor den Nacktschnecken zu retten. Genau! So kommen wir ins Gespräch und sie erzählte, dass sie ein Wohnmobil haben und dass sie mit ihrem Enkel die letzten Jahre immer noch Deutschland gefahren. Er ist so begeistert von Autos, da haben sie alles besucht, was mit Autos zu tun hat: Mercedes in Stuttgart, BMW in München, Wolfsburg VW, die gläserne Fabrik in Dresden, aber auch Fendt und Hymer am Bodensee. Sie fand das spannend und diese Besuche für und mit ihrem Enkel zu machen. Jetzt ist das Thema Auto erschöpft und sie sind traurig, dass er keine Autos mehr anschauen will und sie noch nicht ein neues Thema gefunden haben und nicht wissen, wo sie den nächsten gemeinsamen Urlaub machen können. Nach einer viertel Stunde, nachdem sie mir noch viel Glück für den Weg gewünscht hat, bin ich weiter gezogen.

Zum ersten Mal habe ich wieder einen echten Bullen auf der Weide gesehen, der sie sich sehr engagiert um seine Kühe kümmerte, sofort an den Zaun galoppierte und mir gegenüber deutlich machte, dass er meine Anwesenheit für überflüssig hält.

Das erinnerte mich an ein ganz frühes Erlebnis als Kind, ich ging noch nicht zur Schule. Wir waren im Urlaub an der Ostsee in Pottloch.  Meine Mutter hat mich zum Milch holen zum Bauern geschickt. Mit der Milchkanne schlenderte ich an einem Weidezaunen entlang. Da stürzte plötzlich ein Bulle auf mich zu mit dem Kopf über den Zaun und schnaubte. Ich habe die Milchkanne fallen gelassen, die Milch ist mir über die Füße gelaufen und ich bin heulend nach Hause gerannt – ohne Milch, ohne Kanne. Meine Eltern haben mich getröstet, aber selbst mit ihnen gemeinsam traute ich mich nicht zurück zu der Weide auf der der Bulle stand.

Der Aufstieg zum Schneeberg war wirklich lang und hat mich an meine Grenzen gebracht.

Im ersten Viertel ging es auf der Forstwegen den Mariazellerweg durch den Wald bis auf 900 m hinauf. Und für den Forstweg war ich dankbar, denn man einfach vor sich hin schleichen und muss nicht auf die Füße achten. Man kann sein Tempo so gehen wie es einem passt und muss den Schritt nicht dem Gelände anpassen. Im zweiten Viertel führte ein Pfad sehr steil und steinig und voller Baumwurzeln aber auch sehr schön an meinem Kamm entlang auf 1.260 an der Edelweißhütte – die geschlossen war, wo es aber wenigstens Wasser gab.

Dann ein schöner, steiler, an ausgesetzten Stellen versicherter T3-Pfad, der einige Kraxelei bot bis auf 1.700 m. Ich kam um eine Kante, erleichtert, dass die Kletterei vorbei ist, und blicke auf einen sanft ansteigenden Hügel ohne den Gipfel zu sehen – aber alles ist mit Schnee bedeckt!

Die letzten 350 hm durch ein Schneefeld!

Später Nachmittag, der Schnee war weich, manchmal bin ich bis zu den Knien eingesackt. Dann habe ich versucht auf Grasbüschel unter dem Schnee zu treten, aber da war der Schnee verharscht und ich bin abgerutscht. Ich bin nur millimeterweise weiter gekommen. Zwischendurch musste ich immer wieder Pause machen – und ich habe alle paar Minuten in der App nachgeschaut, wie viel Höhenmeter noch vor mir liegen.

Die Fischerhütte kann man vorher nicht sehen, sie liegt hinter einem Gipfelchen. Erst zwanzig Höhenmeter vorher konnte ich sie sehen. Ich war so fertig, dass ich das leckere „Hüttengulasch mit Würstel“ nicht zu Ende essen konnte und mir war fürchterlich kalt.

Abends war der Schnee wieder knochenhart gefroren. Die Wolken hatten sich verzogen und man konnte sehen, die Hütte war auf allen Seiten nur über die Schneefelder erreichbar. Bis jetzt, Mitte Mai, musste alles, Wasser, Essen, Toilettenpapier ist dem Helikopter hoch gebracht werden.

Ich mache mir Sorgen, wie der Tag morgen werden soll: Runter 1.700 hm vom Schneeberg, aber dann sofort wieder hinauf zur Rax. Unten im Tal ist eine Hütte, da werde ich Pause machen und essen! Laut Internet ist sie geöffnet.

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