15,5 km, 590 auf, 542 ab, 3:47 h
Die Aussicht wie gestern Kilometer auf dieser Asphaltstraße durch das Tal laufen zu müssen bis ich endlich in den Wald kann, läßt Freude erst gar nicht aufkommen.
Dann sehe ich wie ein weißhaariger, braungebrannter Mann einen Zaun neu absteckt, für drei wunderschöne Kühe und ein Kalb. Ja, Kühe können schön sein. Das Fell glänzt, die Proportionen zeigen, dass sie gut genährt sind und sie strahlen eine gutmütige und ruhige Kraft aus. Ich betrachte die Kühe und werde von einer weißhaarigen Frau angesprochen: „So schnell unterwegs!“ Wir reden über die Kühe. Über die Arbeit in ihrem Gasthof, der Jause. Dass sie kein Personal bekommt, obwohl sie am Wochenende 35 Gäste hatte – die Tochter hat mitgeholfen und ihr „Lebensgefährte“. Dass sie ihren Partner, ihren „Mann“ konsequent Lebensgefährte nennt: Was für einen Mann hat sie verloren, was für eine Liebe, dass kein anderer jemals wieder „ihr Mann“ werden kann.
Ich erzähle ihr, dass ich auf dem Weg von Wien hierher überwiegend alte Menschen getroffen habe, die die Gasthäuser noch am Leben erhalten. „Da ist Ihnen was Wahres aufgefallen. Aber Sie haben ja auch schon einen weißen Bart!“
Endlich den Forstweg hinauf. Ein Reh springt mir über den Weg. Gibt es Rehe auch in Hirschgebieten – ich dachte das schließt sich aus?

Auch Forstwege können mit technischen Herausforderungen entzücken.
Jedes Mal, wenn der Schauer kräftiger wird und ich anhalte, um meine Regenjacke anzuziehen, scheint drei Minuten später die Sonne. Ich lass mich nassnieseln.
Ich wusste schon von meiner Wirtin, dass es am Montag kein offenes Gasthaus in Pusterwald gibt – nur Ferienwohnungen zur Selbstversorgung.
Der Bus fährt nur morgens die Kinder und Jugendlichen zur Schule – und bringt sie mittags wieder und bleibt dann am Ende des Tals stehen.
Ich stehe im Nieselregen vor dem Kindergarten und der Volksschule – aber alles ruhig und still. Dann kommt eine Frau aus dem Kindergarten, schließt ihn ab und ich spreche sie an. Sie ruft die Gemeindesekretärin an und die gibt ihr einen Tipp. Der Regen ist stärker geworden und der Wind böig. Ich halte ihren Schirm, damit sie nicht nass wird und die Hände zum telefonieren frei hat. Ja, die Nummer von der hat sie wegen des Yogakurses gespeichert. Die geht sofort ran, sagt, macht sie, ich soll hochkommen, in einer Viertelstunde ist sie da. Gerettet.
Gastgeber von Ferienwohnung und Bed and Breakfast dürfen für ihre Gäste nicht kochen – klar, die ganze Küche, Vorratshaltung, zweites Waschbecken, usw. müsste hygienisch zertifiziert werden. Mir knurrt der Magen. „Ich lasse keinen verhungern!“ sagt die Mutter zweier Kleinkinder und ihr Mann nickt.

