WN 2.5 – Edelraute Hütte – Bretstein, statt Schwabergerhütte

22,2 km, 1.140 m auf, 1.793 m ab, 7:11 h

Es sollte der große Tag werden, die Überquerung der Rottenmanner Tauern auf dem Kamm – mit knapp 2.000 Höhenmetern. Und es lief ganz gut. Zwar hatte mich ein kleine Gruppe, Mutter mit zwei Söhnen und wahrscheinlich eine der Schwiegertochter in Spe mit leichten Tagesrucksäcken überholt. Wofür ich ganz dankbar war: Sie haben die Schneefelder gespurt – was ja ziemlich anstrengend ist. Der Abstieg vom Großen Bösenstein zum Sattel des Zinkenkogel war interessant. Der Gneis verwittert auf dem Grat in Platten, die senkrecht aus der Wand stehen – die sind etwa 5 cm dick und lassen sich gut greifen. Wenn der Gneis in Blöcken und Platten liegt, dann ist er mit Flechten bewachsen, sieht schön aus, aber lässt sich auch bei Regen noch gut treten.

Ja, dass das Wetter instabil sein würde, war klar. Gewitter waren für ab 18 Uhr angesagt. Auch am Vortag hatte es heftig geregnet und gewittert als es Abendessen auf der Hütte gab. Deshalb hielt ich die dunklen Wolken im Blick und bin zügig geklettert.

Im Abstieg vom Zinkenkogel über einen steilen Pfad in der Bergwiesen rückte mir eine Wolke auf den Pelz. Wieder ein Schauer dachte ich und beeilte mich noch mehr. Dann donnerte es – das klingt auf über 2.000 m schon eindrücklich. Ich brauchte keine fünf Minuten bis ich in einer Mulde zwanzig Meter abseits vom Kamm – Kamera und Handy wasserdicht verstaut im Biwacksack saß. Die nächsten zwei Donner waren näher und dann goss es und es stürmte, dass ich dachte, der Biwacksack mit mir drin wird weggeweht. Um 11:55 Uhr das erste Gewitter – das ist eine unchristliche Zeit! – Nach einer Viertelstunde war es vorbei und auf der windabgewandten Seite des Kamms verwandelte sich die schwarze Wolke in ein weißes Schäfchen. Wieder alles eingepackt und los! Keine zehn Minuten später: Der nächste Donner, die nächste dunkelschwarze Wolke. Ich bin so schnell es ging vom Zinkenkogel runtergerannt unten in den Sattel zum Kleinen Geierkogel. Nur noch leichter Regen – und welche Überraschung Handyempfang. Ich habe den provisorischen Verwalter der Schwabenberger Hütte angerufen und ob er einen Weg zur Hütte ohne die beiden Geierkogel wüsste – die sind bei Nässe schwierig und sehr exponiert – es gibt keinen alternativen Weg. Dann war mir klar, da gehe ich nicht hoch. Nicht bei den vielen nach Gewitter riechenden Wolken, die da im Anmarsch sind. Im Sattel eine alte Römerstraße, die noch gut zu erkennen ist. Aber zu langsam. Ich steige direkt nach Süden steil ab, auf einen Forstweg zu. Ich bin enttäuscht. Das war schöne Kraxelei und hätte gerne so weitergehen können.

Die ganze Bösartigkeit des Wetters zeigte sich auf der Südseite des Kamms: Strahlender Sonnenschein – weil ich mich nicht eingecremt hatte, verbrennt meine Haut. Knapp tausend Meter tiefer könnte man meinen, ich hätte da oben Halluzinationen gehabt. – Aber ich spüre die Donner noch im Körper und wie der Wind am Biwacksack zerrte und der Regen Lärm gemacht hat.

Vorbei an einem großem Gasthaus im Bau, das der Eigentümers der Red Ziege für seine Veranstaltungen bauen lässt – und dem ich indirekt mein Bett für die Nacht verdanken werde.

Auf Forstwegen runter. Bretstein liegt da unter und vor mir. Nach drei Stunden die ersten Häuser und Menschen. Ja, es gäbe ein Gasthaus, das offen hätte. Das sei in „zwei“, in „fünf“ Kilometern oder eine junge Frau, „das kommt gleich auf der linken Seite“. Es zog sich und es war schrecklich schwül-heiß. Als ich endlich am Gasthaus „Jagdheim“ ankomme, bedient die Wirtin – zwei Jahre älter als ich – und sagt, als ich nach einem Bett frage: „Das ist aber schlecht gerade!“

Am Montagmorgen ist das ganze Gasthaus von den Handwerkern für das Gästehaus des Eigentümers der Red Ziege belegt, für die sind die Zimmer schon fertig und sie hat kein Personal, um mein Zimmer am Montagmorgen wieder fertig zu machen.

Sie überlegt, lässt mich etwas warten und hat dann eine Lösung: das linke Bett für den Handwerker am Montag – bitte nicht berühren – und für mich das andere. Wenn die Red Ziege nicht das ganze Gasthaus gebucht hätte, dann hätte sie in dieser Jahreszeit das Gasthaus nicht für Übernachtungen vorbereitet. Eine Riesenportion Käsespätzle und am Morgen ein Frühstück für das ich eine dreiviertel Stunde brauche. Und das Wetter: Wenigstens hat es in der Nacht gewittert und geschüttet!

Ein Kommentar

  1. Michael, Du hast die schwierigste Disziplin geschafft … „Abbrechen, wenn es notwendig ist“. Manchmal ist das die beste Entscheidung.
    Und wieder hast Du Menschen getroffen, die es gut mit Dir meinten. Das wünsche ich Dir auch für Deinen weiteren Weg.

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