WN 2.4 – Klinke – EdelrauteH

22,7 km, 1.062 m auf, 859 m ab, 6:05

Es war klar, eine Tiedruckstörung streift über die Alpen. Deshalb habe ich mich heute beeilt. Und es ist gut gegangen. Ein erster Schauer als ich noch 200 hm und 1,5 km von der Edelrautehütte entfernt war. Dann kam sogar wieder die Sonne raus. Aber jetzt gewittert, stürmt und regnet es, als ob es kein Morgen gäbe. Morgen soll ich aber über den Kamm der Rottenmanner Tauern – bisschen T3 und bei Nässe nicht empfohlen. Ich packe den Rucksack, so dass alle Regensachen, Mütze, Handschuhe oben liegen. Trotzdem will ich früh aufstehen – und notfalls warten, aber nicht zu lang, denn für den Nachmittag sind schwere Gewitter als für heute angesagt.

Heute morgen war ich früh von der Klinkehütte weggekommen, habe aber leider die beiden Alten nicht mehr getroffen. Zügig abgestiegen. Vor Dietmarsdorf hat ein Bauer mit Weidezäunen und Verbotsschild den Wanderweg gesperrt und weiter unten, die Pfosten mit der rot-weiß-rote Markierung rausgerissen und in den Wald geworfen. Und dabei wäre das ein sehr alter – historisch wichtiger – Hohlweg, durch den man von der Alm ins Dorf runterkommt. So bin ich über seine kniehohe Wiese gegangen. In Dietmarsdorf habe ich von der Kirche, die die beiden Alten empfohlen hatten wenigstens ein Bild des uralten Eingangsportals und der wahrscheinlich sehr alten Tür gemacht – romanisch.

Dann kam wie befürchtet der fürchterliche Weg in schwül heißer Luft auf dem Bürgersteig neben der Bundesstraße über die Autobahn, über die Gleise durch das ganze Tal nach Trieben: Das Tal zum Pyrn-Pass, eines der großen europäischen Nord-Süd Alpenquerungen – zumal an einem Wochenende, an dem der Brenner wegen Demo gesperrt ist.

Im Stadtcafé ein zweites Frühstück – und wieder bekomme ich die eineinhalbfache Portion. Wanderer werden bevorzugt.

Dann die gut tausend Meter hinauf. Erst noch neben der Bundesstraße nach Hochtauern, dann durch ein einsames Tal: Wieder Bergbaugebiet rechts und links in den Felsen, die sich über mir in den Himmel strecken. Das Tal ist von einem Felssturz unterbrochen worden.

Dann – ich kreuze die Mautstraße zur Hütte – ein riesiger Spielplatz, mit langer, langer Rutsche den Berg hinunter und einem Barbarastollen und aufgespannte Schirme: Ich will etwas trinken und treffe auf zwei alte Menschen, die mich interessiert ausfragen. Ich käme aus Nordrhein-Westfalen, ihr Sohn hat Jahre in Mönchengladbach gearbeitet. Außerdem wären vor Corona aus Wuppertal und Schwelm Schulklassen zum Skifahren gekommen. Die Lehrer und Lehrerinnen hätten sehr über die Disziplinlosigkeit der Schüler geklagt. Und wo ich lang gehen wollte. Ob ich trittsicher wäre. Der Mann kennt die Tour, die Hütte, wo ich herkomme („Oberst Klinke Hütte“ – heute ist der „Oberst“ gestrichen) und den Kamm der Rottenmanner Tauern. Ja, jetzt nach dem Regen mache ich mir da etwas Sorgen – und es hört überhaupt nicht mehr auf zu regnen. Morgen und Übermorgen sieht es auch nicht gut aus, Dienstag gut, dafür am Mittwoch Starkregen. Das passt nicht so richtig in meinen Plan.

Währenddessen nutzt seine Frau KI und findet die aktuelle Telefonnummer der Shwabenberger Hütte, die ganz neu vom Alpenerein für Wanderer an den Rottenmann er Tauern geöffnet wurde. Ich war daran gescheitert.

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