24,3 km, 1.132 hm rauf, 1.375 hm runter, 6:32
Nach einem liebevoll zubereiteten Frühstück zunächst auf Forstwegen hinauf zur Grillerhütte und dann auf einem alten Handelsweg und Weg zum Weidewechsel (Tranzhumanz) hoch zur Grillerluck (2.142). Nach dem steilen Anstieg bin ich plötzlich auf einer windumtosten Hochebene mit kurzem Gras und Heide und flachen Hügelkuppen. Das Bild erinnert an die schottischen Highlands. Ein paar Felsen erinnern „an’s Gebirg“ – und sie sehen sehr ähnlich aus, wie die, an denen ich vom Bösenstein hinunter gekraxelt bin.

Als wollte jemand die Diskussion zur Bildsprache der Kreuze am Weg aufnehmen, ein modernes Kreuz an der Stelle, an der der alte Handelsweg vom Kamm nach Oberwölz hinunterführt.

Der Abstieg auf dem alten Karrenweg bildhübsch zwischen Heide, Blaubeeren und alte Bäumen – im oberen Teil. Später ist der Weg etwas verfallen und viel Totholz, umgefallene Stämme versperren den Weg. Am Schluss geht es im Hohlweg über schwarzes Gestein (Basalt?).

Dann öffnet sich der Blick auf eine von alpiner Landwirtschaft geprägt Landschaft auf gut 1.000 m Höhe. Ich wunder mich wie wenig Land um die einzelnen Höfe liegt, ich schätze maximal 10 Hektar – wie kann man davon leben? (Frage an Beate und Christoph)
An einem Hof rennt mir ein Münsterländer (Jagdhund) entgegen und springt kläffend um mich herum. Der Bauer bearbeitet einen hölzernen Wassertrog – viel zu schön, um da jemals Wasser durchlaufen zu lassen, bestimmt nicht für die Viehweide gemacht. Da hätte ich schon aufmerksam werden müssen. Er ruft, „Gibt’s a Ruah!“ Und der Hund ist still. Leider bleibe ich nicht stehen.
Noch ein paar hundert Meter auf dem unangenehmen Asphalt, dann das:

Das erinnert doch sehr an das Kreuz oben am Kamm. Und der Trecker ist so liebevoll und wunderbar detailliert dargestellt. War der „Bauer“ an dem Wassertrog der Bildhauer dieser Skulpturen – ich gehe nicht nochmal bergauf zurück!
Dann geht es nochmal auf Asphalt bergauf – ich bin begeistert – und ich treffe auf einer Bank ins Tal schauend zwei Altbäuerinnen: „Wo kommst du denn her!“ – „Und was macht ihr?“ – „Wir haben die Aufsicht!“ Sie lachen. Im Tal und auf den Hängen weit um, kann man sehen wie Bauern Gülle auf die Felder fahren – in Eile. Denn endlich soll es regnen. Nach dem ersten Schnitt sind die Weiden an vielen Stellen gelb. Der Regen muss kommen, dann verbrennt die Gülle nicht das Gras, sondern düngt. Ich wünsche den beiden viel Erfolg bei der Aufsicht und eine gute Ernte. Dann muss ich weiter hinauf, um den Berg rum und endlich kann ich Oberwölz unter mir sehen. Abends gibt es beim Italiener am Schwimmbad Pasta und Eis – es ist das einzige Restaurant das geöffnet hat.
Oberwölz ist eine mittelalterliche Stadt im Orts – bzw. Stadtkern mit einer gut erhaltenen Stadtmauer. Die Stadt und das Tal mit allen Menschen hat Heinrich II (973 oder 978 – 1024) dem Stift Freising (bei München) geschenkt, samt der Burg Rothenfels über Oberwölz. Der Handel blühte, so das Oberwölz schon im 14. Jahrhundert Stadtrechte bekam – und heute die kleinste Stadt der Steiermark mit gut 1.000 Einwohnern ist.
Ich frage mich, wie haben die es damals von Freising aus geschafft – über die Alpen in die Steiermark – Oberwölz zu regieren und abhängig zu halten? Und wie wichtig ist dieser – nun verfallende – Weg für Ochsenkarren und Reisende nach Norden gewesen. Müsste man den nicht unbedingt erhalten wollen, um anschaulich zu machen, wie die Verbindung aufrecht erhalten wurde?


Boah, dass du fit bist war mir klar, aber was du so an Tagespensum beschreibst ist heftig. Ich bin tief beeindruckt.
Mach uns bloß nicht den Christoph kaputt 😢.
Auf unserer Tour von Sylt auf die Zugspitze hatten wir ähnliche Distanzen, aber bei weitem nicht die Höhenmeter.
10ha – entweder Nebenerwerbslandwirtschaft oder das Land ist verpachtet, aber die Verpächter bewohnen den Hof weiter.