Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 7.11, 23.08.26
26,6 km, 1.179 hm rauf, 1.422 hm runter, 6:40 / 8:08 h
Der Tag war heute zweigeteilt. Von Maljasset musste ich die Straße runter weiter ins Tal, um in ein neues Seitental zu kommen. Dreimal bestand die Möglichkeit von der Straße zum Fluß l’Ubaye abzusteigen – allerdings muss man dann auch wieder zur Straße aufsteigen. Über 8 km ging es so das Tal hinunter, dann aber an einer Abzweigung eine enge Straße ins Seitental Richtung Fouillouse. Auf der Straße hinauf zu der Brücke, unter der der l’Ubaye gut einhundert Meter tiefer entlang rauscht.

Leider hat die Brücke kein Geländer, um sich zum Fotomachen abzulehnen. Und gleich nach der Brücke kam ein unbeleuchteter Tunnel – also schnell rüber und durch. Als ein Auto entgegenkam, habe ich mich an die Tunnelwand gedrückt. Kurz danach war aber Schluss mit Asphalt und es ging steil im Wald gut dreihundert Meter hinauf und dann wieder etwas hinunter nach Fouillouse. Schon von oben sehe ich den riesigen Wanderparkplatz.

Der zweite Teil. In Fouillouse gibt es zwar einen Bauern, aber mir fällt auf, dass die Häuser so gar nicht nach Bauernhäuser aussehen.

Entweder gab es hier Minen und die Häuser sind für die Knappe gebaut worden, oder das Militär hat hier für seine Offiziere gebaut.

In Fouillouse wird heute der sehr alte Mann mit den steifen Tippelschritten seine Etappe beenden. Gestern Abend hat er erzählt, dass er auf dem Weg von Briancon nach Mouton auf dem GR 5 ist – für sein Alter ist das noch ein größeres Projekt als mein Wien – Nizza!

Die Kirche wird gerade renoviert. An der Kirche beginnt ein weiterer französischer Weitwanderweg, der GR 6, von Fouillouse in den Alpen nach Bourdeaux am Atlantik.
Jetzt wird die Straße zur Militärschotterstraße hinauf zur Festung. Ein wunderschöner Aufstieg durch das weite Hochtal. Was mich wundert, viele Lärchen sind braun. Wegen der Trockenheit oder haben Lärchen auch so etwas Ähnliches wie den Borkenkäfer?

Ich komme beim dritten Abzweig zum Refuge de Chambeyron vorbei. Gestern Abend saßen bei uns am Tisch auch ein italienisches Pärchen, das über die Hütte aus Italien rübergekommen ist. – Invasoren aus Italien, die über die Pässe kommen. So zumindest war es im Juni 1940. Und offensichtlich auch in den Jahrhunderten zuvor. Ich dachte bisher wir Deutschen wären die Unruhestifter in Europa, aber wenn ich hier die Festungen der letzten Wochen Revue passieren lasse, die italienischen, schweizerischen, französischen, dann ergibt sich ein anderes Bild.

Ich steige zuerst an einer Festung aus dem 2. Weltkrieg vorbei. Artilleriestellung und Bunker für Infantrie – daneben Tafeln über den Juni 1940.

Aber diese Festung ist nur die Nachfahrin viel größerer Festungsanlagen. Aber dafür muss ich den Berg hoch zum Col Vallonet, 2.609 m. Hinter dem Col ein riesiger Kessel mit 3.000er an drei Seiten. Ich steige hinunter und komme an einem ausgetrocknetem See vorbei. Daran muss nicht der Klimawandel Schuld haben. Die Kalk- / Dolomitdecke ist hier nicht nur ganz oben, sondern auch unten im Kessel. Deshalb gibt es auch wieder rosa Marmor.

Ich steige hoch zu den Kasernen Viraysse – noch aus ein andern Zeit als man mit Überfällen durch Fußsoldaten rechnete – die Kaserne hat an jeder Seite Schießscharten.

Und oben drüber thront die höchste Festung Frankreichs, die Artelleriestellung Viraysse. Die kann man besichtigen. Einige Wanderer kommen gerade von so einer Führung da oben runter.

Wahrscheinlich wegen dieser Ballung von Militär heißt das Col über den ein italienischer Angriff rüber musste, Col Mallemorte, 2.558 m, „schlechter Tod“ – das war das Programm.
Ich bin ganz friedlich und steige über einen splittrigen und steilen Pfad ab und dann schön über weite Wiesen.

