Alle Quartiere legen Infomaterial aus. Erst einmal ist mir aufgefallen, dass auch Informationen der örtlichen Kirchengemeinde sich darunter finden.

So auch in Hermagor: Die Kirche heißt „Schneerosenkirche“ und in zwei Wochen wird das 100-jährige Jubiläum gefeiert. Damals als Spenden für den Kirchbau gesammelt wurden, gab es als Geschenk Schneerosen – bei uns heißen sie meistens Christrosen, weil sie zur Weihnachtszeit weiß blühen. Mir gefällt der Name „Schneerosenkirche“: Er erinnert an die gemeinsame Anstrengung und den Erfolg in der katholischen Gegend eine evangelische Kirche zu bauen. Namen wie „Bonhoefferkirche“ hört man gleich als Appell, das eigene Leben dringend zu ändern. „Schneerosenkirche“ feiert das Leben der Gemeinde.
Im Rahmen des Jubiläums gab es just an dem Tag, als ich ankomme ein Konzert in der Kirche: Schuberts Deutsche Messe, eingerahmt von einigen sehr prominenten evangelischen Liedern, vorgetragen von einem katholischen Chor, Cantus Carinthiae. Der Chor hat vollständig ohne instrumental Begleitung gesungen, a capella. Das finde ich schon sehr beeindruckend, denn da muss jeder, jede Chorsängerin sicher ihren Ton finden. Die Freudigkeit und Genauigkeit des Chores haben Spaß gemacht. Die Schubert Messe hatte ich noch nie gehört – sie erinnert mich an seine Lieder. Ich fand etwas schade, dass Schubert den Bässen wenig eigenständige Partien schreibt. Das fiel um so mehr auf, als die Sätze von Bach, Mendelssohn und Rheinberger für die evangelischen Lieder den Bässen große Eigenständigkeit abverlangen.
Aber nochmal, mit einem überschaubar großen Chor, eine Messe – oder Oratorium – ohne Begleitung durch Instrumente zu Gehör zu bringen und eineinhalb Stunden vorzutragen – dazu gehört schon Klasse! Ich war beeindruckt. – Ach, mir fehlt mein Männerchor in der JVA!
Ich war zu Fuß eine dreiviertel Stunde zur Kirche gegangen und war sehr froh als meine Wirte mich im Auto nach Matschig zurückgenommen haben.
Am nächsten Tag nach einem langen Frühstück bin ich nach Villach (das V wie ein F ausgesprochen. Warum gibt es dann den Buchstaben V?). Es war drückend heiß. Ich wusste mit mir in der Stadt nichts anzufangen. Hätte ich besser vorbereiten müssen, eine Ausstellung aussuchen oder ähnliches. Als ich beim umherstreifen durch die Straßen, nichts fand, was mich reizte, war ich froh, dass ich am Bahnhof wieder auf den Zug aufs Land warten konnte – Stadt ist gerade, glaube ich, nichts für mich.
Aber der Bahnhof – bekommt gerade neue Bahnsteige und: Alle Bahnsteige haben Solarpaneele auf dem Dach.

In der ZEIT war ein langer Artikel, dass Österreich mit großen Investitionen sein Netz ausbaut, um all den Strom aus Erneuerbaren bis ins letzte Tal zu verteilen. Das hatte ich beim Abstieg nach Altenberg (Etappe nach Neuberg an der Mürz) gesehen und mich gewundert, dass modernere, stärkere Masten in einem schmalen Tal mit wenigen Höfen gebaut werden. Und auf dem Weg nach Leoben bin ich an dem Werk von Voestalpine in Donawitz vorbeigekommen mit einer riesigen Baustelle für einen neuen Lichtbogenschmelzofen. Dort wird das Erz aus dem Tagebau in Eisenerz eingeschmolzen und u.a. zu Eisenbahnschienen gewalzt – die besonders langen Schienen werden auch in Deutschland auf den Schnellfahrstrecken verbaut – aus „grünem Stahl“ demnächst.


Hi Michael,
sitze gerade auf der Garnitzenalm am Karnischen Höhenweg und denke – ich schau mal auf Deinem Blog, wie weit Du denn bist und sehe, dass Du am Wochenende in Hermagor warst. Wir machen hier eigentlich jedes Jahr im Oberen Gailtal Urlaub. Und waren in den letzten Tagen auch in Hermagor. Wâren wir uns fast über den Weg gelaufen 😉
Wünsche Dir weiter einen guten Weg!
Liebe Grüße Jutta Lutze