Karnischer Höhenweg: Valentinalm – Wolayerseehütte, 18.06.26

Alpendurchquerung Wien – Nizza, WN 3.04

8,7 km, 947 hm rauf, 188 hm runter, 3:35 h

Heute soll das ein halber Ruhetag werden. Deshalb gehen wir den Aufstieg zur Oberen Valentin Alm so lange als möglich auf dem Fahrweg. Aber dabei übersehen wir eine entscheidende Kurve des Wanderweges und müssen dann steil über eine schöne Almwiesen mit vielen Blumen Anschluss an den Weg suchen – das gelingt natürlich.

Im Aufstieg haben wir noch ein Pferd für Claudia mitgenommen.

Je weiter wir zum Valentintörl, 2.144 m, aufsteigen, umso näher rücken uns die Kellerspitzen und die Hohe Warte.

Wir erleben ein Lehrstück in “Alpiner Gebirgsbildung”. Es ist eindrücklich wie viele Gesteins-“Decken” an der Hohen Warte übereinander und gegeneinander verschoben worden sind. Nicht über der Erdoberfläche. Als die Adriatische Platte – als Teilplatte der Afrikanischen – gegen die Eurasische Platte geschoben wurde, war der Meeresboden des Tethysmeeres im Weg und wurde unter die Adriatische Kontinentalplatte geschoben, “subduziert” und ist abgetaucht in den Bereich der Erdkruste in der das Gestein unter hohem Druck und hoher Temperatur gerät und plastisch wird. Dort unten, mehrere Kilometer unter der Erdoberfläche, geraten Decken neben, unter- und übereinander, die nicht an diesen Orten als Sedimente, als vulkanische Intrusionen entstanden sind. An der Hohen Warte ist es der Schiefer, der als Tonsediment mit einem hohen organischem Anteil in der Tiefsee der Tethys abgelagert worden war. In der Tiefe wurde der schwarze Ton durch Druck und Temperatur physikalisch verändert – Metamorphose – und die Schieferung, die Bildung der für uns im Bergischen so typischen Plättchen im neunzig Gradwinkel zur Ablagerung begann.

Dieser Schiefer begleitet uns den ganzen Karnischen Höhenweg lang und er ist für Wanderer sehr wichtig. Die Schieferung hat Plättchen gebildet, die neunzig Grad zur Ablagerungsebene stehen. Wenn die Schieferdecke ungefähr so liegt, wie sie als Sediment entstanden ist, dann stehen die Schieferplättchen senkrecht zur Oberfläche. Regen, Schnee und Frost haben es natürlich leicht in diese Plättchen einzudringen und sie zu erodieren. Wenn Wanderer Wege brauchen, dann werden sie die dort finden, wo der Schiefer erodiert ist, in Rinnen, in Schluchten. Und es ist einfach auf diesem Tethys-Tiefseeschiefer zu gehen, weil er – wegen der senkrechten … – sehr griffig ist.

Neben, über und unter diese Schieferdecken sind andere Decken geschoben worden, Kalk, Kalksandstein. Bei der Reise in die Tiefe sind auch diese Gesteine verändert worden, aus Kalk ist Marmor geworden. Manchmal laufen wir auf Marmor oder kraxeln an Steilstellen über Marmor nach oben.

Dann entdecken wir tiefschwarzes Gestein – Schiefer ist silbergrau-schwarze. Dieses Gestein ist tiefschwarz. Wir finden einen Stein in dem feine Gasblasen zu sehen sind: Basalt. Kletterer kennen Basalt aus Mayen und lieben oder hassen das Klettern im Basalt. Im Siebengebirge werden sechseckige Basaltsäulen abgebaut.

Basalt ist Magma, das an die Erdoberfläche gekommen ist. Weil im Magma Gas eingeschlossen ist, wenn der Basalt abkühlt, bleiben die Gasblasen als kleine Löcher im Gestein. Ob dieser Basalt ein Magma Einbruch in andere Gesteinsdecken, eine “Intrusion” ist oder ob er Ozeanboden ist, der an einem mitttelozeanischen Rücken – wo ozeanische Platten sich auseinander bewegen – an die Oberfläche gekommen ist, können wir natürlich nicht klären.

Dann treffen wir auf rot-grauen, sehr eisenhaltigen Sandstein.

Und, ich bin begeistert, ich treffe auf einen südafrikanischen Bekannten: Grünstein, Greenstone. Ein sehr dichtes, kupfergrünes Gestein auf dem manchmal feine Riffel zu sehen sind. Auch Greenstone entsteht an Mittelozeanischen Rücken. Ob das Kupfer dort eingewandert oder durch erste Lebewesen – Cyanobakterien, die ohne Photosynthese leben – eingebracht wurde, war zu meiner südafrikanischen Zeit noch umstritten. Am ganzen Karnischen Höhenweg stoßen wir immer wieder auf den Greenstone.

Und all diese verschiedenen Gesteine auf zwei Kilometern im  Aufstieg zum Valentintörl. Ich bin begeistert.

Und dann die finale Show:

Ob das Handybild ausreichend Kontrast bietet? Sonst müsst ihr auf die Bilder aus der richtigen Kamera warten.

Es sind einige Gesteinsdecken zu erkennen – die nicht am selben Ort entstanden sind, nicht dass die älteren unten und die jüngeren oben liegen müssen. Als sie aus mehreren Kilometern Tiefe wieder nach oben geschoben werden, sind sie nicht mehr dieselben, Metamorphose.  Dort wo sie gegeneinander gestoßen sind, sind sie gefaltet. Schließlich wurden sie durch den Druck der kollidierenden Platten nach oben geschoben und der Kalk, der als Korallenriff gewachsen oder in einer Lagune ausgefällt wurde, und im Meer lag, ist nun zum Gipfel der Hohen Warte und der Kellerspitzen geworden.

Das ist doch grandioses Theater der feinsten Art!

Natürlich kommen wir an der Wolayerseehütte an diesem Tag an.

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