Alpendurchquerung Wien – Nizza, WN 4.07, 29.06.26
15,3 km, 774 hm rauf, 693 hm runter, 4:53 h reine Gehzeit
Die Hütte ist international belegt, wir sitzen an einem Tisch mit Mutter und Tochter aus Israel, aus dem Kibbuz Revardim im Hügelland zwischen dem Jüdäischen Gebirge im Osten und der Ebene am Meer im Westen. Auf dem Gelände des Kibbuz liegen die archäologischen Reste der Philisterstadt Ekron. Sie sind Kibbuznikim und natürlich gegen die Politik Netanjahus.
An der Forcella Ambrizzola, 2.277m, machen wir noch Fotos von ihnen und sie laden und nach Israel ein – obwohl wir ihre Namen nicht kennen.
Noch scheint die Sonne und allenfalls leicht Federwölkchen lassen Ungutes ahnen. Wir biegen nach Nordwesten Richtung Falzaregopass, steigen auf und wieder ab zum Passo Giau. Gerade als wir zur Hütte kommen, fängt der Regen an. Wir springen in die Hütte, essen, trinken und rödeln unsere Regensachen an. Als wir vor der Tür stehen, scheint wieder die Sonne.

Es geht hinauf zum Rifugio Averau auf 2.413 m, die ideal auf einem Bergsporn liegt und einen weiten Blick erlaubt. Aber wir kämpfen uns die Steigung hoch und kommen in einen Regenschauer und ziehen diesmal unsere Regensachen zu spät an. Als wir an der Hütte sind, sind wir klatschnass – es regnet weiter in Strömen. Die Wolken sehen aggressiver nach Gewitter aus. Wir überlegen, essen etwas und brechen dann halb getrocknet auf und eilen etwa auf einer Höhe am Hang entlang, um so schnell als möglich runter – und damit aus der Gewitterzone – zu kommen. Wir steigen kraxelnd durch eine steile Rinne ab, kommen auf eine Fahrstraße – gegenüber die Tofanen, vor uns der Hexenstein und der Falzaregopass, es fängt an zur regnen, wir laufen schneller. Vor mir ein Blitz von links nach rechts und zeitgleich der Donner. Ich hocke mich hin – Christoph ruft. Er hat einen Unterstand aus dem Weltkrieg I gefunden. Wir warten ab. Es blitzt und donnert minütlich.
Es schüttet – und allmählich dringt das Wasser in den Unterstand. Wir rufen zwei anderen Wanderen zu, dass sie sich bei uns unterstellen können. Aber sie sind nur für Sonnenschein ausgerüstet und frieren. Damit sie nicht unterkühlen laufen sie weiter in Regen und Gewitter. Wir warten wohl bald eine Stunde bis der Regen in normalen Landregen übergeht und eilen hinunter zum Falzarego Pass. Ein Helikopter steht über dem Hexenstein und sucht einen Verunglückten. Die Seilbahn hinauf zum Lagazuoi versucht wieder den Betrieb aufzunehmen, die Gondel steigt einige hundert Meter und bleibt dann schaukelnd stehen. Die Passstraße hinunter nach Osten wird gesperrt. Wir steigen in einen Bus, der an der Seilbahn wartet. Es sind nur noch gut einen Kilometer bis zum Valparola Pass und unserer Unterkunft, aber wir sind durch, nicht unbedingt nass, aber das Gewitter hat uns schon beeindruckt.
Ich war schon mit B auf dieser Hütte – da waren wir auch nassgeregnet und mussten einem vom Unwetter zerstörten Weg ausweichen. Vielleicht sollte ich den Valparola Pass aus den Dolomitenplanungen streichen.

