Rifugio Grand Tournalin – Rif Barmasse mit Matterhornblick

Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 6.07, 06.08.26

15,2 km, 949 hm rauf, 1.367 hm runter, 5:04 / 6:56

Ich muss an der Rif Grand Tournalin in bar bezahlen – die Bedienung hätte mit dem Kartenlesegerät vor die Tür gehen müssen, da war ja guter Empfang – drinnen funktionierte es natürlich nicht.

Gestern Abend durften wir erst am 18:30 Uhr duschen, obwohl es um 19:30 Uhr Abendessen gibt. – Wieviel Minuten haben da wohl vierzig Menschen zum Duschen?

Und das Abendessen war so knapp, dass ich hungrig vor dem leeren Teller saß. Dann musste ich erst noch diskutieren – „Jeder Tisch bekommt eine Schüssel!“ – damit wir noch eine Portion bekommen.

Langsam bin ich genervt von dieser Einstellung auf den Hütten. Es geht anscheinend vollständig verloren, dass es um Service an Kunden geht, für den die Menschen, die auf der Hütte arbeiten, bezahlt werden.

Jedenfalls komme ich spät los, denn das Bargeld ist unten im Rucksack und der war schon fertig gepackt.

Es waren viele Wanderer gleichzeitig an der Hütte aufgebrochen, jetzt dauert etwas bis sich eine Reihenfolge unter den  Wanderern eingefunden hat. Zwei Ältere wollen mich unbedingt vorlassen; ich bin überhaupt nicht scharf darauf, vorne zu gehen, nicht am Morgen, wenn es bergauf geht.

Und von der Hütte geht es bergauf zum Col de Nannaz, 2.773 m. Ich lese erst „Col de Nanas“ und denke an die Nanas von Niki de Saint Phalle. Das wäre doch ein Statement, eine Nana hier auf dem Pass.

Das Panorama ist großartig.

Leicht bergab und wieder leicht bergauf zum Col de Fontaines, 2.696 m.

Beim Abstieg sehe ich zum ersten Mal das Matterhorn von Süden – das hätte ich nicht gedacht, dass es von Süden noch massiver aussieht. Ich finde es so fast eindrücklicher, als das ikonische Dreieck von Zermatt aus.

Ich komme nach Cheneil, ein altes Almdorf, dessen Häuser, schön renoviert, jetzt ein neues Leben als Ferienwohnungen gewonnen haben. Früher wurden die Häuser für die Almwirtschaft im Sommer genutzt, jetzt im Sommer für die Erholung von der Arbeit.

Steilabstieg nach Valtournenche auf einem alten Verbindungsweg. Auch diesen Abstieg finde ich schön. Im Ort kaufe ich in einer Metzgerei Ziegenkäse ein für die nächsten drei dürren Tage, die ich oben in den Bergen bin. Mich bedient eine ältere Frau, die mich sofort als Deutschen identifiziert und mich fragt, wo ich her komme. Sie kennt Köln und verabschiedet mich auf Deutsch. Im Supermarkt kaufe ich noch drei Äpfel, weil es hier auf den Hütten grundsätzlich keine Vitamine gibt – kein Obst, kein Salat. Bestenfalls Kohlenhydrate und davon nicht genug.

Dann noch 700 hm rauf, teilweise durch alten Wald, aber der Weg ist steil. Unten im Tal war es schon um 11:00 Uhr 26 Grad, jetzt nach meiner Pause brennt die Sonne.

Ich komme an einem Klettergarten vorbei. Ein gigantischer Überhang. Ab dem zweiten Haken hängen verschraubte Expressen. Aber die Schwierigkeiten beginnen bei 7b und es geht bis 8b+. Okay, das wäre für mich nur zum zuschauen.

An der Hütte, Rif Jean Bermasse, 2.160, geht das Theater weiter. Erst um 16:00 Uhr in die Schlafräume. Ich warte also. Dann kommen aber Italiener und werden um kurz nach drei auf ihr Zimmer gebracht – ich kriege erst um vier mein Bett.

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