Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 6.06, 05.08.26
1,7 km, 1.723 hm rauf, 987 hm runter, 6:23 / 7:43 h
Das Frühstück im Hotel war großartig, frischer Obstsalat, Eier konnte man sich selber kochen, Müsli und Joghurt ohne Beschränkung.
Der Aufstieg geht direkt auf einer Kinder-Skipiste los, die im Sommer als Versorgungsstraße genutzt wird. Der Lift fährt neben mir nach oben. Als ich aus der Waldzone raus bin, geht es nur noch über plattgewalzte Pisten und Straßen.
Neben und über mir die Liftgondeln, nicht nur ihr dumpfes Dröhnen und bisweilen helles Kreischen sind anstrengend, sondern noch viel mehr die Schatten der Gondeln, die plötzlich von hinten über mich streichen. Die Schatten der Gondeln von vorne sehe ich ja kommen.

Mir kommen drei Hochtourengeher entgegen. Einem hängt das Seil aus dem Rucksack. Die Sackstiche vom Einbinden auf dem Gletscher sind noch im Seil. Ist es aber jetzt nicht Standard sich mit dem Schmetterlingsknoten einzubinden? Aber ich bin irgendwie getröstet, dass nicht nur Seilbahnfahrer um mich rum sind, sondern ernsthafte Bergsteiger.
Der Pass sieht nicht aus wie ein Pass, sondern ist auf der ganzen Breite platt gewalzt. Neben der Piste geht die Versorgungsstraße steil runter. Unter mir sehe ich eine Seilbahn, die vom Tal hochkommt.
Endlich reißt der Himmel auf und das erste Mal sehe ich den Lyskamm und die Monte Rosa Gruppe.

Als ich an der Bergstation der Seilbahn vorbei bin, beginnt ein schönerer Weg. Und es geht in einen kleinen Almweiler, wo ich etwas zu trinken bekomme. Hinter der Hütte beginnt ein schöner Steilabstieg ins Tal – neuerdings lobe ich die Steilabstiege, da überrasche ich mich selbst.
Unten im Tal bekomme ich in einer Bar ein Lasagne – ich hätte die dreifache Portion essen könnte, lecker! – Und ich habe ein neues Standardgetränk: Lemon-Soda von sizilianischen Zitronen. Das wird mein neues Süßgetränk!

Die Stärkung ist auch nötig, denn es geht zum zweiten Mal diesen Tag über 850 m hoch. Nach den ersten sehr steilen drei, vierhundert Metern geht es in das weite Turnalin Tal. Bäche rauschen, Lärchen wachsen im Talgrund, schön!
Dann noch ein letzter steiler Aufstieg zur Hütte. Erst auf den allerletzten Metern wird die Hütte sichtbar.
Vor der Hütte stehen viele schwere Rücksäcke mit Isomatte und Zelt. Pfadfinder, die etwas oberhalb der Hütte draußen übernachten. Es ist das zweite Mal, dass ich solche Pfadfindergruppen in den Bergen treffe. Mit Jugendlichen nach draußen zu gehen, das finde ich gut. Mich hat bei dieser Gruppe etwas überrascht, wie wenig divers sie ist – nur weiße italienische Jugendliche.
Beim Abendessen sitze ich mit vier niederländisch sprechenden Wanderern zusammen, zwei Niederländer, zwei Belgier. Wir haben interessante Gespräche und müssen uns nur sorgen, dass wir genügend zu essen bekommen.

