38,6 km, 1.675 hm rauf, 1.521 hm runter, 12:39 h brutto, 11:19 h reine Gehzeit
Murauer Hütte, Hochrindl und heute Nockalm auf der Turracher Höhe – was allen dreien gemeinsam ist: Als Wanderer werde ich „liebevoll umsorgt“.
Mir ist noch nie so aufgefallen, dass es so viele Menschen gibt, die für einen viel mehr tun, als sie müssten. Und die das in einer wohltuenden, zugewandten und gleichzeitig respektvollen Weise tun. Dass ich gefragt werde, ob Kleidung gewaschen werden soll. Dass ich im Hotel empfangen werde, obwohl es noch gar nicht geöffnet hat. Dass ich gefragt werde, ob ich lieber das oder jenes essen würde – obwohl die Küche ja noch gar nicht in Betrieb ist. Dass ich gefragt werde, ob das Brot, die Semmeln ausreichend sind für die Jause / Brotzeit. Dass die Wirte, Wirtinnen erzählen von ihrer Situation – keine Mitarbeitenden. Wie es ist Kinder in der Ausbildung zu haben. Liebevoll umsorgt, habe ich mich die letzten Tage gefühlt. Und das fällt umso mehr ins Gewicht, weil gleichzeitig das Wetter grimmiger und die Unterkunftssituation prekärer ist als bisher. Da ist es sehr wohltuend, zu spüren, dass man umsorgt wird.
Ein wichtiger Nachtrag zur Murauer Hütte: Der Wirt macht Angesetzten / Aufgesetzten. Ich habe ja schon Enzianschnaps getrunken und war nur mittelmäßig beeindruckt. Aber sein Enzian Aufgesetzter! Ohne Zucker. Reiner Geschmack nach Wurzel, brauner Erde, nach Gewitter, Regen und Frost und eine reine Bitterkeit, die ich noch heute, am dritten Tag danach, meine schmecken zu können. Wirklich beeindruckend.

So jetzt aber zu der Tour. Gestartet bin ich über den Wolken im Tal. Schöner steiler Weg bergauf. Aber schon bald zogen die ersten Wolken in den Wald. Und dann auf dem Kammweg, Nebel. Und Wind. Dröhnender Wind. Der Lärm macht einen fast benommen, bis ich endlich auf die Idee kam, die Kappe gegen eine Mütze zu tauschen, die über die Ohren reicht.




Im Abstieg eine neue Weise Wege einzurichten kennengelernt. An den Bäumen sind rot-weiß-rote Markierungen, aber kein Weg. Ein riesiges Feld, indem Lärchen gefällt wurden, die Knüppel liegen überall auf dem Boden. Aber einige Markierungen an Rest-Bäumen. Uralte Tannen und alles mit Blaubeeren bedeckt und Markierungen – aber der Weg? Im Tal ging es so weiter – um nicht auf der Bundesstraße gehen zu müssen. Markierungen, aber bis über die Knie reichendes Gras. Interessant zu gehen, besser als Forstweg, aber auch deutlich anstrengender.
Wenn der Salzsteigwege von 20 Leuten im Monat begangen wird, dann wird da auch ein Pfad entstehen – jetzt sind es wohl aber eher 20 im Jahr.

An einem Zufluss der Flattnitz führen die Markierungen bergauf bis endlich sichtbar wird, dass zumindest einer der Wegeinrichter als Pionier gedient hat. Mit vorbildlichen Pionier-Brückenbau-Material aus dem Baumarkt eine trittsichere Brücke mit einem Stahlseil vor dem nächsten Hochwasser gesichert.

Dann kamen leider zwei Stunden Straße. Während gleichzeitig, das schönste Tal mit Hochmoor rechts der Straße liegt – da weiden Kühe. Wahrscheinlich erlaubt der Bauer dem Alpenverein nicht, dort Wanderer gehen zu lassen. Jedenfalls sehe ich in meinem meditativen Asphalt-Schreiten, dass die Straße bergseitig von tiefen Rissen durchzogen ist. Wenn die Kärntner da nicht reparieren, ist ihre Straße nach dem nächsten Frost ein riesiges Schlagloch.
Flattnitz war mal ein Skiressort – vor dem Klimawandel. Jetzt sind die Lifte abgebaut und es gibt nur noch Ferienappartements – aber keinen Gasthof oder Geschäft. Selbst Christas Jause, die bei Outdooractiv eingezeichnet ist, verschwunden. So endet die Etappe zwar in Flattnitz – aber man kann dort nicht bleiben. Ich hatte einen Gasthof gefunden in Hochrindl. Das liegt leider hinter dem Berg (470 hm, 9 km). Zwar hatte der Wirt mir angeboten, mich abzuholen – aber ich fühle mich noch gut, ich will noch über den Berg. Er ist auch bereit mich am Gatter vor dem Weißen Kreuz abzuholen auf seiner Seite des Berges. Ich soll anrufen, wenn ich da bin. – Ich gehe los und – es fängt an zu regnen, erst leichter Landregen, dann Regen, der in den Pfützen Blasen wirft. Zweieinhalb Stunden im Regen und Nebel. Wieder über der Baumgrenze (1.790 m) eiskalter Wind zum Regen. Und der Warnhinweise, dass dies Wolfsgebiet sei und man vorsichtig sein soll, wenn das Vieh unruhig ist. Ich mache einen Bogen um das Vieh durch den Matsch.
Endlich das Weiße Kreuz (habe ich nicht erkannt, was an dem Marterl weiß sein soll). Der Sohn kommt mich holen. An dem Gatter gehe ich weiter, jetzt bloß nicht stehen bleiben und frieren. Als ich einsteige, muss er bis zum Gatter – aus meiner Sicht – zurückfahren, nur dort kann man wenden. Ich erinnere nichts von der Straße, merke ich am nächsten Morgen, als mich die Tochter hochfährt zum Gatter. Die Wirtin macht mir um acht etwas zu essen. Ich schlafe wie ein Stein.


Puh, ein langer Tag! Respekt! Auf solche nette Menschen zu treffen ist ein Geschenk!! Manchmal ist es gut, den Kühen auf den Wiesen nicht zu nahe zu kommen. Wir haben schon oft von Wanderern, mit und ohne Hund, gelesen die attackiert wurden. Uns ist das selber auch schon mal so ergangen, wir sind nur noch gerannt und kamen ordentlich ins Schwitzen.