Briancan – La Chalp, Arvieux

Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 7.08, 20.08.26

20,7 km, 1.283 hm rauf, 820 hm runter, 5:12 / 6:06 h

Das Frühstück war wieder gut – aber draußen regnet es leicht. Noch zur Boulangerie, eigentlich um Brot für den Käse zu holen. Aber die haben sehr gute Sandwiches, ähnlich wie Döner mit geraffeltem Gemüse. Ich nehme eins mit Hähnchen – und dem Gemüse. In der Bäckerei rödel ich dann die Regensachen auf, denn jetzt regnet es richtig intensiv.

Erst geht es noch durch die Stadt – der Bus fährt eine Stunde später und soviel Zeit bleibt heute nicht. Am Morgen soll es einen Schauer geben, aber ab Nachmittag Gewitter und Regen. Also zügig durch die Stadt bis der Weg den Berg hoch abzweigt. Dann dauert es noch eine halbe Stunde bis der Regen wie angekündigt aufhört.

Es geht auf einer Schotterstraße bergauf, erst hinter der Ferienhaus-Alm Ayes wird der Weg endlich zu einem Pfad. Mir kommt ein älterer Wanderer mit größerem Rucksack und Handschuhen an den Stöcken entgegen. Er fragt mich, ob ich nach Nizza gehe. Er kommt daher und läuft nach Chamonix.

Endlich auf dem Pfad steht mir nach wenigen Metern eine ganze Kuhherde im Weg. Die Kühe haben dieselbe Idee wie ich: Auf dem Pfad den Berg hoch. Rechts und links stehen aber Bäume und Schwarzerlenbüsche und es fällt steil zum Bach ab; wir können einander nicht wirklich ausweichen. Also stehen wir erstmal, schauen uns an und schweigen. Erst als ich mich daran erinnere wie ich als Junge auf dem Bauernhof Kühe getrieben haben und „haujo, haujo, haujo“ (das ist nordfriesisch) rufe, geht die Leitkuh mit schönen langen, gebogenen Hörnern ins Gebüsch und die anderen Kühe machen es ihr nach.

Mir fällt auf, dass wie in den letzten Tagen schon, es hier keine Laubwaldzone im Gebirge gibt. Unten über dem Tal stehen Kiefern, dann Büsche mit Lärchen, dann nur noch Lärchen mit wenigen Tannen und dann Gras, bis gar nichts mehr wächst. Reicht das Wasser nicht für Laubbäume?

Dann muss ich an Dirk denken. Wildschweine haben alles umgegraben. Das sind sicherlich genügend, um ein paar zu schießen und das Fleisch in der Klettergruppe zu verteilen.

Als ich Pause machen werde ich von drei jungen Wanderern mit großem Rucksack überholt. Nach der Pause hole ich zwei wieder ein, die ihrerseits nun Pause machen. Dem anderen folge ich zum Col de Ayes, 2.477 m. Im Abstieg will er, dass ich vorgehe. Ich mache noch eine Pause und treffe ihn am Campingplatz in Brunissard wieder. Wir reden kurz, er ist auch auf dem Weg nach Nizza, wir werden uns also in den nächsten Tagen wohl noch öfter treffen.

Da komme ich her, Briancon liegt rechts um die Ecke.
Links geht es ins Tal, die Berge sind schon niedriger …
An der Straße eine Wiese voller Herbstzeitlose.

Mein Quartier ist in La Chalp, ich muss noch ein Stück länger über die Straße runter. Ein merkwürdiges Quartier. Gute Fotos von Wüste und Bergen im Treppenhaus. Die Duschen eine Etage tiefer und erst ab 19:00 Uhr. Die Toilette auf dem Flur und ohne Waschbecken. In dem kleinen Zimmer nur ein kleines Fenster, kein Papierkorb, kein Schrank, kein Haken. Wifi nur im Essraum und auf der Terrasse. Das hier schreibe ich auf einem Hocker, den ich vor das Bett erzogen habe. Ich bin Mal gespannt wie das Abendessen wird – in diesem Ski-Weiler habe ich sonst nichts Geöffnetes gesehen.

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