Im Brianconaise: Pamplinet – Briancon

Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 7.07, 18.08.2026

27,6 km, 1.139 hm rauf, 1.426 hm runter, 6:36 / 7:55

Für S mit herzlichem Glückwunsch zum Geburtstag mit extra vielen Bildern

Sorry, das Häkchen unter dem C in Briancon bekomme ich auf meiner Falttastatur nicht hin. Bitte trotzdem das C wie ein scharfes S aussprechen.

Heute Morgen gab es wieder ein großzügiges Pic Nic von der Auberge und ich bin zügig losgezogen, um solange als möglich die Morgenkühle zu nutzen. Zwischen dem Sommet du Guon, 2.654 m, und dem Ponte de Pece, 2.540 m, liegt eine Schlucht und die Schotterstraße steigt zügig hoch, um auf die Höhe zu kommen, von der der Fluss in die Schlucht stürzt.

Pamplinet

Einige wacklige Schotterfelder werden mit den Serpentinen umgangen. Auf der Höhe des Ausgangs aus der Schlucht wieder ein Bunker Richtung Italien. Militär kommt heute noch öfter vor.

Später dann ein paar alte Almhäuser modernisiert zu Ferienhäusern, aber kein Wasser aus frei zugänglichen Brunnen.

Der Weg biegt scharf nach Süden ab ins Vallon de l’Opon. Erst ein steiler, gerölliger Anstieg, dann öffnet sich das Tal weit. Einzelne Lärchen und Kiefern und viele Murmeltiere. Die Gesteinsschichten der Berge rechts und links sind beeindruckend zusammengeschoben und gefaltet.

Ich glaube ich habe zum ersten Mal Geier gesehen, ein Paar. Erst der eine, dann die andere fliegen im Aufwind und setzen sich auf die Spitze des Ponte de Pece – da kann ich sie nicht mehr ausmachen.

Wegen der Geier ist von dieser Gams nur noch der Kopf übrig …

Ich mache Pause und verspeisen mein ganzes Pic Nic Paket schon am Vormittag.

Der Ausblick ist beeindruckend.

Die Berge sind aus Kalkstein – einem sehr verwitterungsanfälligem Kalk. Aber es gibt auch Dolomitdecken – und unten drunter liegt kristallines Gestein, denn das Wasser kommt auf halber Höhe zu Tage, anstatt ganz im Kalk verschwunden zu bleiben.

Vom Col Dormillouse, 2.450 m, geht es weiter zum Col de la Lauze, 2.540 m.

Eigentümliche Löcher. Ich frage mich, ob das Toteis-Löcher sind: Eis das vom Gletscher nicht mehr bewegt wurde, weil es tiefer liegt. Als der Gletscher weggeschmolzen ist und das Toteis auch, bleibt das Loch. Aber irgendwie passt die kreisrunde Form nicht unbedingt dazu. Wahrscheinlicher ist, dass es Dolinen sind, Einsturzkrater der unterirdischen Höhlen im Kalkstein.

Dann beginnt ein gemütlicher Abstieg nach Montgenèvre. Vor mir zwei Trupps französischer Chasseurs Alpins (Gebirgsjäger), Männer und einige Frauen – Helm und Seil am Rucksack. Sie schlendern gemütlich ins Tal, mir ist das aber zu langsam und ich will vorbei. Der Offizier bellt und mir wird eine Gasse gemach. Hat mir Spaß gemacht, die jungen Leute zu überholen.

Meine Hoffnung in Montgenèvre etwas zu essen, zerschlägt sich, Lasagne für 18 Euro – das sind Wintersport-Ort-Preise.

Ich passiere auf dem Weg ins Tal einen Abschnitt der alpinen Magniot-Linie. Das wusste ich nicht, dass es diese Befestigungsanlagen auch in den Alpen gab und gibt.

Ich wechsle dann auch in einen gemütlicheren Schritt und schlendere nach Briancon – und werde gleich von drei Festungen Vaubans in den Blick genommen. Briancon, das was heute Altstadt ist, ist von Vauban als Festungsstadt angelegt worden – auf einem Felssporn.

Sehr viel Militärisches in dieser Alpen Ecke.

Das muss wohl schön aussehen – aber als ich in die Altstadt reinkomme, bekomme ich angesichts der Menschenmassen wieder die Mont-St-Michel-Phobie von vor drei Jahren und steige schnell zum Hotel ab.

Das hat keinen Tisch zum Schreiben und ich sitze auf dem Bett und habe das Teetablet entwendet, um dort die Tastatur auf den Knien halten zu können. Die Hotels scheinen mittlerweile davon auszugehen, dass die Menschen nicht mehr schreiben und lesen können und deshalb keine Tische in den Zimmern notwendig sind.

Von draußen schallt Live Musik durchs Fenster, nicht schlecht, Ragtime. Deshalb ist ist die Straße abgesperrt und so viele junge Leute waren unterwegs.

Ein Kommentar

  1. Ich muss das jetzt mal schreiben: ich habe keine Ahnung von Gestein und Decken etc. Ich habe auch nicht die Muße mich damit zu beschäftigen, könnte man ja lernen.
    Aber ich bin jedes Mal begeistert und beeindruckt über deine Kenntnisse und begeisterten Erläuterungen. In deinen Beschreibungen wird das Gestein geradezu lebendig und ich habe manches Mal vor mir gesehen, wie es sich auffaltet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert