Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 7.06, 17.08.2026
12,5 km, 546 hm rauf, 845 hm runter, 3:43 / 4:11 h
Das Gewitter und der Starkregen gestern vor dem ich mich knapp in die Hütte retten konnte, hat noch am Abend gravierende Auswirkungen gehabt: Geröll hat die Wasserversorung der Hütte ist unterbrochen. Nach dem Abendessen konnten die Toiletten nicht mehr benutzt werden. Viele Übernachtungsgäste schwärmten auf die Almwiesen aus und suchten einen möglichst nicht einsehbaren Platz. Noch am Abend gelang es dem Wirt das Wasser wenigstens vorübergehend in die Hütte zu leiten: Das Wasser, das in den Waschbecken und Toiletten ankam, war dunkelgrau vom Gesteinsmehl.
Das Abendessen wurde trotz des Gewitters mit einem Orangenwein als Apperitiv eröffnet, dann folgten ein Zucchini und ein Gemüsesalat, eine Gemüsesuppe, dann Polenta mit Fleisch und Würstchen – und zwar in einer solchen Menge, dass auch ich einfach nicht mehr essen konnte. Danach Salat und Panna Cotta. Ich konnte endlich ohne Anstrengung satt werden!
Ich saß mit einem Wanderer aus Malta am Tisch. Er lebt als Schauspieler auf Malta. Dorthin war er nach einigen Jahren in London zurückgekehrt – ein interessanter Gesprächspartner.
An der Hütte weht weht sowohl die französische, als auch die italienische Fahne. Das Tal öffnet sich nur nach Italien – ich werde morgen über den Berg müssen, um in Frankreich weiter zu wandern. – Und ich habe im Ohr, dass dieses Tal auch lange zu Italien gehört hat, bevor Italien es an Frankreich abtreten musste. Die ganzen Festungsanlagen und Bunker machten also Sinn.
Am nächsten Morgen gibt es Trinkwasser für den Rucksack aus Kanistern. Nicht nur das Frühstück ist reichlich, sondern auch das Pic Nic Paket – ich kann mich daran gewöhnen.
Hinter der Hütte geht es in Fallrichtung den Hang hinauf zu einem der Flüsse, die am Abend für das Chaos gesorgt hatten. Der Übergang über den Fluss ist nicht mehr zu erkennen.

Dann führen aber sanfte Serpentinen durch den Wald den Hang hinauf. Oben öffnete sich ein weites Plateau, das wie eine Steppe aussieht.


Leicht geht es wieder bergab und – ich ahnte es schon – wieder den Berg hoch, um einem sehr großen Erosionsgebiet auszuweichen. Das war nicht nur eine Rinne, sondern der Krater im Berg war sicherlich einen Kilometer breit. Anfangs geht es in gehörigen Abstand zu der Abbruchkannte bergauf, aber an der höchsten Stelle ist der Weg nur noch wenige Zentimeter breit und es geht direkt hinab in den Krater. Es sind aber nur knapp zehn Meter gewesen bis der Weg wieder Abstand gewann und dann durch einige einzeln stehenden Lärchen weiter bergauf führt. Dann steige ich durch einen lichten Kiefern- und Lärchenwald bergab. Der Wald auf der Südseite des Berges sieht schon deutlich südeuropäischer aus: alles staubtrocken, Trockenpflanzen, in einiger Entfernung verbrannte Bäume. Mir kommen Legionen von Wanderern entgegen – ich verstehe nicht ganz , wohin die wandern könnten.
Auf dem Weg im Tal komme ich an einem Gedenkstein vorbei, der unten im Tal in Plampinet durch eine weitere Informationstafel ergänzt wird: Es gab hier im Juni 1940 einen Gebirgskrieg zwischen Italienern und Franzosen – das hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm.


Im Tal nehme ich einen nicht markierten Weg entlang des Flusses, der noch immer Hochwasser führt. Frische Muren muss ich überqueren und Bäche, die sich noch tiefer eingegraben haben. Einmal hilft mir nur, mich auf den Hosenboden zu setzen und den Steilhang zum Bach hinunter zu rutschen. Drei Kletterer binden sich gerade ein, um an einer der Klippen hochzuklettern.
Als ich an der Auberge de la Cleido ankomme, muss ich warten, sie öffnet erst um zwölf Uhr – und erst um vierzehn Uhr kann ich in den Schlafsaal. Obwohl ich wirklich nicht lang unterwegs war, bin ich müde!

