Vanoise, Refuge du Lac Blanc – Modane

Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 7.04, 15.08.2026

33,2 km, 436 hm rauf, 1.679 hm runter, 6:45 / 8:23 h

Ein Steilabstieg von 900 hm wartet auf mich, ich bin skeptisch. Wenn Christoph dabei wäre, würde er sagen: Den Bus nehmen, denn da fährt ein kostenloser Bus. Also laufe ich den Weg, den ich gestern gekommen bin – etwas bergauf – zurück zum großen Parkplatz Bellecombe. Aber kein Bus da um kurz nach Acht. Die Busse schaufeln die Wanderer morgens hoch und abends runter. Aber welcher Wanderer will um halb acht in den Bus steigen – nur die hartgesottenen. Und für die kommt der kleine Bus hoch, der allerdings nicht wieder runter fährt, sondern hoch auf das Plateau und auf der anderen Seite runter. Der kleine Bus fährt erst abends wieder nach Termignon. Warten, dass der große Bus hoch kommt? – Das dauert mir zu lange. Ich laufe los. – Super, extra Höhenmeter und extra Kilometer gemacht und Zeit verbummelt obendrein. Aber der Abstieg ist nicht so schlimm, das Morgenlicht ist schön. Ich mache sogar Fotos.

Dabei verpasse ich eine Abzweigung von der Straße und muss länger die Serpentinen runterlaufen. Dafür bekomme ich aber eigentümliche Verwitterungsformen, Türme, zu Gesicht.

Als ich endlich unten bin, qualmen wieder die Socken und Schuhe. Nach Termignon sind es noch ein paar Kilometer relativ flach, aber auf Asphalt.

Dort findet ich eine Bar, Café und Crêpes, für fünf Euro fünfzig. Und wer kommt vor der Bar und lädt dutzende Wanderer ein?

Erstmal geht es eine ganze Weile auf Asphalt weiter, zu einem kleinen Flughafen, neben dem ein kleines, feines, familientaugliches Klettergebiet ist. Ein merkwürdiger Stein ist das dort – Konglomerat aus groben, kantigen Kalk Brocken in Kalkstein.

Kurz danach geht es endlich in den Wald und auf Forstwegen weiter. Keineswegs wie es auf der Karte aussah ungefähr auf einer Ebene, sondern eifrig auf und ab – irgendwoher müssen die 436 hm ja kommen. Die Weiler durch die ich Eile sind nicht mehr bäuerlich – und sie haben keine öffentlichen Trinkwasserbrunnen mehr. Damit habe ich nicht gerechnet. In der Hitze jetzt auf etwas 1.300 m, ohne Brunnen, wird mein einer Liter im Trinkschlauch nicht reichen.

In Bramans, einem alten, noch nicht fertig gentrifiziertem Bauerndorf, endlich Wasser – ich trinke sofort einen dreiviertel Liter. Steil bergab in eine Kaarst Landschaft, die Hitze abstrahlt, dass die Luft flimmert. Fast übersehe ich einen Tisch mit Bänken im Schatten unter Kiefern. Ich packe ich das Pic Nic Packet aus, dass mir die Wirtin der Refuge du Lac Blanc gepackt hat. Ich bin überrascht:

Eine Feige fehlt, die kaue ich gerade als ich schnell noch das Foto mache, bevor noch mehr im Magen verschwindet. Besonders lecker ist der Quinoa-Salat. Ich peppe ihn noch mit meinem Rest-Ziegenkäse und den klein geschnittenen Aprikosen auf.

Weiter geht’s. Stetig bergauf, bergab. Ich bin jetzt auf der Höhe der berühmten französischen Festung l’Esseillon. Strategie des 19. Jahrhunderts: Das Tal abriegeln, damit der Feind nicht ins Land eindringen kann – wie die Franzensfeste in Südtirol. Ich finde eine Lücke zwischen den Bäumen für ein Bild.

Alle Parkplätze sind voll. Ich drängele mich mitten durch die Parkplatz suchenden Familien und bin froh, dass es wieder bergauf geht, aus dem Rummel heraus. Eine Weile schon steht auf den Wanderwegweisern „Norma“ und ich hoffe auf ein nächstes Bergbauerndorf.

Ich bin irritiert als ich durch Ferienhäuser, dann zu mietende Ferienwohnungen und Appartmenthäuser wandere. Als ich den ersten Lift sehe, verstehe ich: Wieder ein Urlaubsdorf. Die meisten Geschäfte handeln mit Ski und sind geschlossen. Eine Bar hat geöffnet. Einen halben Liter eiskalte Limo und ein Crêpes, nicht ganz so billig. Dieser Ort ist mehr auf Familien mit Kindern ausgerichtet. Die Spielplätze und der kleine See und die Grillplätze sind von Familien bevölkert. Es gibt einen Aussichtspunkt und ich sehe Modane unter mir – das sind sicherlich noch gut 300 hm hinunter. Mir tuen die Beine schon vom runterschaue weh.

Ich laufe durch einen ausgestorbenen Ortsteil von Modane und kämpfe mich in der Hitze zum Bahnhof vor, Hôtel de la Gare hat sicherlich etwas mit dem Bahnhof zu tun. Ich sehe zwei andere Hotels, ein aufgegebenes, geschlossenes Hotel. Aber meins finde ich nicht, auch als ich ein zweites Mal die Straße rauf und wieder runter gehe. Es ist heiß. Gestern habe ich auf der Hütte noch in Pullover und Daunenjacke gesessen und jetzt ist es unerträglich heiß. Mir läuft die Nase und ich muss niesen. Bin ich überhaupt in Modane? Habe ich das Hotel in Modane oder woanders gebucht – da war doch etwas? Ich bin geneigt zur Polizeistation zu gehen und um Hilfe zu bitten.

Dann greife ich doch zu Google Maps. Google sagt, die Adresse meines Hotels ist in diesem Modane und ich sei nur drei Minuten entfernt. Ich starre auf das Handy und folge dem sich bewegenden blauen Punkt. Plötzlich bleibt der Punkt stehen. Ich schaue mich um und sehe ein Restaurant, dessen Tische und Stühle in eine Ecke geräumt sind. Hier isst niemand mehr. Maps bleibt aber der Meinung: Hier ist das Hotel. Ich entdecke einen Zettel in der Tür des ehemaligen Restaurants: Reception ->. Ich folge mit dem Kopf dem Pfeil und trotte langsam in diese Richtung. Plötzlich erkenne ich eine Tür, die man aufdrücken kann. Ein kleiner Junge begrüßt mich: Mama ist hinten.

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