Vom Valdidentro ins Val Grosina: Rifugio Monte Scale in Concano – Rifugio Eita im Val Grosina

Alpenüberquerung Wien – Nizza, WN 5.09, 17.07.26

28,2 km, 698 hm rauf, 919 hm runter, 6:30 h / 8:01 h

Nachtrag zu gestern: Ein besseres Bild der Falten:

Nachts als ich mal wach werde, regnet es. Morgens als ich aufwache, regnet es. Ich überlege im Bett zu bleiben. Aber um Sieben hört der Regen auf, ich packe den Rucksack, frühstücke schnell Müsli ohne frische Früchte und gehe los. Es ist feucht und kalt.

Ich bin ja brav. Wenn in der App erscheint, dass der Weg gesperrt ist und auf der Internetseite der Kommune das bestätigt wird, dann gehe ich den Weg nicht. – Auch wenn mir Zweifel kommen, ob das, was Fahrradfahrern nicht möglich ist, über eine Straßenbaustelle zu kommen, auch für Fußgänger gilt.

Der Ciclovia dell’ Energia, Percorso Verde, ist kurz nach dem Beginn, an der Stelle an der ich von Cancano runterkommen, gesperrt. Und das ist übel, denn die Umleitung bedeutet über dreihundert Meter absteigen und wieder aufsteigen. Deshalb überlege ich, wie ich diesen tiefen Abstieg vermeiden kann. Der Fahrradweg geht am Talhang auf genau einer Höhe entlang, um das ganze Tal herum bis zu seinem Ende und auf der anderen Talseite wieder zurück bis ich ins Val Verva aufsteigen kann. Ich muss also wieder auf den Ciclovia zurück, sonst komme ich nicht an mein Ziel durch das Val Verva über den Pass hinunter ins Valgrosina nach Eita.

Zwei Wächtertürme, die den Handeln kontrolliert haben.

Meine Idee ist ein Pfad, der den Namen Bosco S. Antonio hat. Ich steige steil ab, laufe an dem Pad vorbei, geh wieder hoch und folge dann einem wirklich heimlichen und geheimen Pfad. Am Anfang ist er noch gut zu erkennen, führt durch Büsche und Latschen und wird – wie man befürchten kann – immer dünner. Nach drei Vierteln des Weges, kann ich den Pfad nicht mehr finden und stehe hoch über dem Tal zwischen zwei Schotterfeldern und überlege. Alles zurückgehen und doch bis ins Dorf absteigen? Ich will nicht. Also steige ich am Rande des Gerölleldes langsam ab. Da unten scheint mir ein Pfad zu sein. Ich erreiche den. Aber der endet nach etwa fünfhundert Metern in einer steilen nassen Wiese. Unter der Wiese sehe ich einen alten Weg. Ich steige steil die nasse Wiese ab und merke, dass ich den alten Weg wegen eines Abbruchs nicht erreichen kann. Mittlerweile läuft mir der Schweiß. Ich quere in der Wiese durch hüfthohes, nasses Gras. Ich rutsche in einen zugewachsenen Bach. Endlich geht es um eine Nase herum und die Wiese wird flacher und ein alter Wirtschaftsweg führt in den Garten eines Hauses des Weilers S. Antonio. Da wollte ich hin. In dem Haus wohnt niemand, es wird noch repariert. Ich schleiche mich durch den Garten und an der Haustür vorbei und stehe auf der Straße auf der es wieder aufwärts geht. Ich habe etwas 150 hm Abstieg und Aufstieg gespart. Nach 200 hm bin ich wieder auf der Ciclovia – und freue mich, dass auch an diesem Ende die Sperrung angezeigt wird.

Der Ciclovia ist eine autobreite, geschotterte Straße, die die Almen am Hang untereinander verbindet. Er wird gut in Schuss gehalten, brüchige Felsen werden mit Stahlnetzen gesichert, morsche Holzgeländer erneuert, Brücken neu gebaut. Die Förderung des Bike-Tourismus dient auch den Almbewohnern. Auf dieser ebenen und meistens schattigen Straße komme ich zügig voran. “Alpines”  Gefühl kommt aber nicht auf.

Mir kam ein Jogger entgegen und jetzt überholt er mich. Sein T-Shirt wirbt für einen Bormio Marathon. Als ich nach Aroga reinkomme, treffe ich ihn wieder, er kühlt sich ab. Wir kommen ins Gespräch. 14 Kilometer ist er gelaufen. Also Kurzstrecke. Deshalb ist er so schnell gelaufen. Wir wünschen uns alles Gute.

In Aroga gibt es ein nobles Restaurant. Ich brauche Essen, “Take away” auf der Rif. Monte Scale war verboten und zu trinken. Für zwei Süßgetränke und ein ziemlich trockenes Pannini zahle ich 18 Euro. Nach Aroga ist der Ciclovia – wie früher – nur noch ochsenkarrenbreit. Dann am Talende auf dieser Höhe, wechselt er die Richtung, quert den Fluß und es geht auf der anderen Talseite zurück bis der Aufstieg zum Val Verva beginnt.

Von Beginn des Tales an bläst mir ein kalter Wind heftig entgegen. Was bedeutet das für das Wetter? Zwischen den hohen Bergen rechts und links kann ich nicht erkennen, was passiert.

Beim Agrotourismo Val Verva wird das Dach neu gemacht. Es gelingt mir trotzdem ein Stück Käse zu kaufen – für Morgen, wenn ich vielleicht wieder nichts für unterwegs mitnehmen darf.

Die Küche – in der Gaststube.

Der starke Wind bleibt den ganzen Weg bis zum Passo di Verva, 2.301 m. Dann geht es gegen den Wind ins Valgrosina hinab. Es ziehen zwar mehr und mehr Wolken auf, aber ich komme jetzt schnell tiefer hinab. Die 80 % Gewitterwahrscheinlichkeit ab 15:00 Uhr können mir jetzt nicht mehr so viel anhaben.

Am Lago Aque Sparse vorbei. Und bald sehen ich Eita unter mir. Und von weitem sieht man schon, dass da viele Kinder und Jugendliche um die Kirche herum Spaß haben. Wo ist das Refugio? Mir schwant, dass es genau das ist, wo die Kinder toben. – Ich werde in ein Achter-Zimmer am anderen Ende des Gebäudes einquartiert.

Heute Abend gibt es wieder die typischen Buchweizennudeln mit Käse und Kartoffeln, Pizzocheri, wie gestern – kann man aus Kohlehydrat-Sicht nichts gegen sagen. Und dann bringt der Wirt noch lokalen Landkäse. – Ich werde mich die Treppe hochrollen müssen.

Die schwarzen Punkten sind Pfeffer mit einem lokalen Gewürz gemischt – ich habe nicht rausbekommen, was es ist.

Wenn das Wetter morgen stabiler ist, könnte es über einen 2.800 m hohen Pass gehen – alpiner geht schon noch in dieser Gegend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert